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Die Windsors und der Hitlergruß „Das ist eine politische Geste“

Die Historikerin Karina Urbach spricht im FR-Interview über den strittigen Hitlergruß der Windsors. Und über die Zurückhaltung der Royals, wenn es um den Zugang zu Archivmaterial geht.

Die Windsors 1936: Prinz Albert, Herzog von York (der spätere König George VI.) mit der späteren Königin Elizabeth und den beiden Töchtern, Prinzessin Elizabeth (M.) und Prinzessin Margaret Rose (l.). Foto: dpa

Frau Urbach, in Großbritannien sorgt derzeit ein kurzes Video für Aufregung. Es zeigt Königin Elizabeth II als Mädchen neben ihrer Mutter, beide heben den Arm zum Hitlergruß. Waren die britischen Royals in den dreißiger Jahren Sympathisanten der Nazis?
Das kann man so sicher nicht sagen. Es gibt wie in jeder anderen Familie auch bei den Royals unterschiedliche Meinungen. Und wir wissen insgesamt zu wenig. Eines ist klar: Edward VIII…

…der 1936 nur knapp elf Monate auf dem Thron saß, ehe er wegen seiner Geliebten Wallis Simpson zur Abdankung gezwungen wurde…
…war beeindruckt von den Sozialprogrammen der Nazis. Er fand auch den italienischen Faschismus gut. Er besaß enge Verbindungen zu den deutschen Verwandten der Häuser Hessen und Sachsen-Coburg, in denen sich viele überzeugte Nazis tummelten. Nach dem Zweiten Weltkrieg war er in Paris mit dem britischen Faschistenführer Oswald Mosley befreundet und er machte gern im Spanien der Franco-Diktatur Urlaub.

Und sein Bruder, der ihm dann als Georg VI nachfolgte?
Der gehörte zum britischen Mainstream der Beschwichtigungspolitik gegenüber Hitler, dem sogenannten Appeasement. Das gleiche gilt für seine Mutter, Queen Mary, und für seine Frau Elizabeth, die spätere Queen Mum. George unterstützte Premierminister Chamberlain. Nach dessen Rücktritt im Mai 1940 wollte er den Erz-Appeaser Halifax als Nachfolger, nicht den Hitler-Gegner Churchill.

War der filmisch festgehaltene Hitlergruß vielleicht scherzhaft gemeint? Auch Zeitgenossen fanden Hitler ja nicht nur furchtbar, sondern auch pompös und lächerlich.
Das sehe ich nicht so. Es wird ja jetzt auch behauptet, es hätten damals englische Kinder den Hitlergruß nachgeäfft. Das kam erst sehr viel später. Die Queen Mum wusste genau: Das ist eine politische Geste. Die Königsfamilie verfügte über genaue Informationen des Foreign Office darüber, was in Deutschland los war. Die Times beschrieb schon im Juli 1933 die Treibjagden auf Andersdenkende, das Lynchen jüdischer Mitbürger.

Das kurze Filmchen erregt auch deshalb so viel Aufsehen, weil die Einstellung führender Royals gegenüber Nazi-Deutschland noch immer unklar ist. Sie, Frau Urbach, beklagen schon seit längerem, dass Historiker für die Zeit seit 1918 keinen Zugang zum Royal Archive erhalten.
Ich halte das für einen Skandal. Zugang gibt es nur, wenn man sich der Zensur der Höflinge unterwirft.

Hat die Queen nicht ein Recht auf Privatsphäre wie jeder andere Bürger auch?
Mich interessieren ja nicht die Erbkrankheiten und Sexgeschichten. Hier geht es um politische Geschichte. Die Königsfamilie gehört zum konstitutionellen Fundament des britischen Staates. Die Royals waren und sind sehr viel politischer als man denkt. Im Übrigen wird das Royal Archive teilweise aus Steuergeldern finanziert. Dann sollten Wissenschaftler auch den entsprechenden Zugang erhalten.

Aber es ist doch auch ein Privatarchiv, schließlich geht es um den Vater und den Onkel der immer noch amtierenden Monarchin.
Der Vater, Georg VI, ist seit 63 Jahren tot, Edward VIII starb 1972. Es gibt auch in anderen Archiven Veröffentlichungsfristen von beispielsweise 30 oder 40 Jahren, dagegen habe ich ja nichts. Die Geschehnisse, über die wir sprechen, liegen 75, 80 Jahre zurück. Und es geht um politische Einflussnahme auf höchster Ebene. Das geht die Öffentlichkeit an.

Interview: Sebastian Borger

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