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Deutscher Kulturrat Das Momentum für Wandel ist da

Das beim Deutschen Kulturrat angesiedelte Projektbüro für Frauen in Kultur und Medien kümmert sich um Geschlechtergerechtigkeit.

Der Deutsche Kulturrat residiert im Haus Mohrenstraße 63, einem prachtvollen Gebäude in einem Berliner Quartier, das ehemals der Allianz gehörte und zu DDR-Zeiten der Sitz der Gesellschaft der deutsch-sowjetischen Freundschaft war. Von dieser Nutzung zeugt noch das Wandmosaik einer Gruppe glücklicher Erntehelfer im Eingangsbereich, der auch hinsichtlich des Parketts, der Sitzgruppe, der Kugellampen und der Wanduhr fast so authentisch sozialistisch aussieht wie ein Bühnenbild von Anna Viebrock.

Hier hat seit acht Monaten auch Cornelie Kunkat ihr Büro. Die promovierte Amerikanistin ist Referentin im Projektbüro für Frauen in Kultur und Medien, das Monika Grütters zum Abschluss ihrer vorigen Amtszeit als Staatsministerin noch gründete, im Kulturrat ansiedelte und für drei Jahre mit insgesamt 300 000 Euro ausstattete. Was nicht viel ist, wenn man bedenkt, welchen Fortschrittsbedarf es in diesem Bereich gibt. Die Künstlerinnen aller Sparten, die sich vor der Gründung des Projektbüros im März 2017 an einem Runden Tisch versammelten, haben eine sehr lange Liste von Forderungen und Vorschlägen erstellt.

Aber erstens ist es natürlich gut, dass die Sache überhaupt fachspezifisch angegangen und nicht dem Frauenministerium zugeordnet wird. Und zweitens spiele Geschlechtergerechtigkeit auch in den regulären Ausschüssen des Kulturrates eine große Rolle, wie Gabriele Schulz betont, die Stellvertretende Geschäftsführerin des Kulturrates, mit der gemeinsam Cornelie Kunkat die Besucherin empfängt. Der Kulturrat ist der Dachverband von acht bundesweiten Spartenvereinigungen wie dem Musikrat, der Literaturkonferenz oder dem Medienrat.

„Gebetsmühlenartig“ würden den Mitgliedern die Prinzipien der Geschlechtergerechtigkeit beigebogen, hat Kunkat schon beobachtet, und Schulz versichert, dass in Ausschüssen wie dem für Arbeit und Soziales viele Forderungen, die die Künstlerinnen geäußert haben, regelmäßig Thema seien: Wie kann man in der KSK bleiben, wenn man von einem Stipendium lebt? Wie kann Kinderbetreuung förderfähig werden etc..

Die Ergebnisse einer Studie zu „Frauen in Kultur und Medien“, die der Kulturrat im Auftrag der Staatsministerin 2016 veröffentlichte und die eine deutliche Unterrepräsentanz und Schlechterstellung von Frauen belegten, haben die Marschrichtung der Lobbyarbeit vorgegeben.

Nachdem Cornelie Kunkat von dieser Studie gelesen hatte, war ihr klar geworden, dass sie sich für Gleichstellung im Kulturbereich engagieren will. Zuvor arbeitete sie im Bundesverband deutscher Stiftungen und baute bei der Evangelischen Kranken- und Altenhilfe ein Mentoring von Ehrenamtlichen auf. Das Mentoring von und für Frauen in Führungspositionen ist auch im Projektbüro Cornelie Kunkats erstes Anliegen.

Das Programm hat im Mai begonnen und richtet sich an Frauen, die mindestens zehn erfolgreiche Berufsjahre hinter sich haben und jetzt unter der gläserne Decke feststecken. Höchstrangige Kollegen werden sie im Laufe eines halben Jahres einige Stunden lang beraten, über ihre Schulter gucken lassen oder in ihr Netzwerk holen.

13 Mentoren konnte Kunkat für die erste von drei Runden gewinnen, darunter Claudia Perren, Stiftungsdirektorin des Bauhauses Dessau, Ulrich Khuon, Intendant des Deutschen Theaters, und Monika Grütters selbst (für den Bereich Kulturmanagement und Stiftungen). Die Mentees wurden aus 285 Bewerbungen ausgewählt, und die jeweils ersten Treffen, bei denen die Projektleiterin dabei war, verliefen offenbar verheißungsvoll.

Eine solche 1:1-Betreuung auf hohem Niveau könnte man auch für elitär halten. Aber für Kunkat ist genau das der Bereich, in dem sonst keine Fördermaßnahme vorgesehen ist. Außerdem ist Frauenförderung für sie immer ein konkreter Einzelfall. Ansonsten fällt ihr auf, wie groß die Nachfrage nach jemandem wie ihr ist. Sie muss für das neue Büro nicht werben, sondern bekommt Anfragen für Vorträge, Podien oder Netzwerktreffen. Überall eben, wo Ungleichheit auffällt und Fragen aufwirft. Keine Angst, dass sie fortan als Miss Geschlechtergerechtigkeit durchs Land zu reisen hat und die Institutionen das Problem an sie und ihre 30-Stunden-Stelle delegieren?

Nein, das hat Cornelie Kunkat nicht, sondern sie sieht überall ein ernsthaftes Bemühen um eigenen Fortschritt, sie selbst gebe nur Impulse. Keine Frage, das Momentum für einen Wandel ist da, und die entsprechenden Daten, die der Kulturrat nebenbei weiter erhebt, werden, hofft Gabriele Schulz, 2020 ein deutlich geändertes Bild von Frauen in Kultur und Medien zeichnen.

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