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Das „Große Projekt Pompeji“ Die Rettung Pompejis geht voran

Italien feiert die ersten fertig sanierten Häuser im antiken Pompeji. Und auch Brüssel ist zufrieden und droht nicht mehr damit, ungenutztes Fördergeld der EU zurückzuverlangen.

Pompeji im Dezember: Blick in die Amphoren-Regale. Foto: dpa

In den vergangenen Jahren machte Pompeji nur von sich reden, wenn nach starkem Regen wieder einmal eine jahrtausendealte römische Mauer eingestürzt war. Geldmangel und Misswirtschaft bedrohten die archäologischen Ausgrabungen, viele sprachen von einem zweiten Untergang der Stadt, die 79 nach Christus unter der Asche des Vesuvs begraben und im 18. Jahrhundert wiederentdeckt worden war.

Nun gibt es endlich positive Nachrichten. Heiligabend wurden sechs antike Häuser, Domus genannt, die jahrzehntelang für Besucher geschlossen waren, nach Restaurierungsarbeiten wieder geöffnet. Ihre Sanierung war Teil des 105 Millionen Euro umfassenden Rettungsprogramms „Großes Projekt Pompeji“, zu dem die Europäische Union fast die Hälfte beisteuerte und das zeitweise zu scheitern drohte. Italiens Regierungschef Matteo Renzi und sein Kulturminister Dario Franceschini reisten zur Eröffnung.

Besucher können nun die „Fullonica des Stephanus“ wieder betreten, eine der vielen Wäschereien der antiken Stadt Pompeji. In großen Wasserbecken und Wannen wurde dort die Kleidung von „fullones“ genannten Arbeitern gewaschen und von Flecken gereinigt. Dafür wurden Farben und sogar Urin eingesetzt. Die Wäscherei, wie auch die fünf restaurierten Privathäuser liegen an der Haupt-Ader Pompejis, der Via dell’Abbondanza, der Straße des Überflusses. An der Geschäftsstraße standen die prächtigsten Villen reicher Pompejaner.

Eines der frisch restaurierten Privathäuser ist das Domus Criptoporticus, benannt nach einer Geheimtür im Garten. Die Villa aus dem 2. Jahrhundert vor Christus hatte eine private Sauna und ist mit Wandmalereien dekoriert, die von Homers „Ilias“ inspiriert wurden. Die feuchten Mauern sind getrocknet worden, die Fresken restauriert. Ein Dach schützt das Haus jetzt vor Regen, dem größten Feind Pompejis. Wieder zugänglich ist auch die Villa des Paquius Proculus, einem Kandidaten für das Bürgermeister-Amt. Auf der Hausfassade ist sein Wahlprogramm aufpinselt.

Pompeji, das einzigartige Einblicke in das Alltagsleben der Antike gewährt, ist seit 1997 Unesco-Weltkulturerbe. An der Via dell’Abbondanza war vor fünf Jahren die Gladiatorenschule nach starken Regenfällen eingestürzt, was international für Schlagzeilen und Polemik sorgte. Die Unesco hatte wegen des Verfalls zwischenzeitlich ein Ultimatum gestellt.

Die Restaurierungen der sechs Häuser gehören zu den größten Baumaßnahmen unter den 41 des „Großen Projekts Pompei“. Es sieht zudem vor, dass der Service für die jährlich drei Millionen Besucher sowie die Überwachung verbessert werden. 400 Videokameras werden auf dem 66 Hektar großen Gelände installiert. Eines der größten Probleme war bisher, dass es nicht genug Wachpersonal gibt.

Das auf vier Jahre angelegte „Große Projekt“ läuft zum Jahresende aus. Lange war unklar gewesen, ob die Verantwortlichen in der Lage sein würden, die EU-Fördermittel fristgerecht zu nutzen. Andernfalls drohten sie zu verfallen. Ausschreibungen und Auftragsvergabe für die Sanierungen waren anfangs nur schleppend in Gang gekommen. Dann mussten Arbeiten wegen der Beteiligung von Camorra-Firmen gestoppt werden. Die Regierung setzte schließlich Ende 2013 den Carabinieri-General Giovanni Nistri zur Aufsicht ein. Das führte zu einer deutlichen Beschleunigung. Auch die Unesco sprach im März von „exzellenten Fortschritten“.

Inzwischen sind 14 Restaurierungen abgeschlossen, 20 laufen noch, 17 sind in Planung oder beginnen in Kürze. Obwohl bis zum Jahresende nur 40 der 105 Millionen Euro ausgegeben werden, muss Italien aber die übrigen Fördermittel nicht zurückerstatten, wie die Zeitung „Il Sole 24 Ore“ schreibt. Brüssel habe das angesichts der deutlichen Fortschritte bereits genehmigt.

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