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Buchmesse, nachgefragt Protest als Lebensform

Die Aktivistin Hanna Poddig erzählt der Frankfurter Rundschau, wie man das Riskio minimieren kann, von einem Zug überfahren zu werden und warum sie nichts von Gesetzen hält.

16.10.2009 00:10
Hanna Poddig, 23, ist Aktivistin und hat "Radikal mutig. Meine Anleitung zum Anderssein" verfasst. Foto: uthleb

Hanna Poddig, wie war das für Sie, als Sie vor wenigen Stunden auf die Messe gekommen sind?

Es ist überhaupt nicht meine Welt. Vieles ist so verkaufsorientiert. Es geht um Schick-Dastehen, um Gesehen-Werden und um Das-peppigste-Buchcover-Haben, gar nicht um Inhalte. Ich dachte, auf welchem Planeten bin ich gelandet, was macht das gerade mit mir. Netterweise habe ich doch ein paar schöne Stände gefunden von kleineren Verlagen und spannende Bücher, die mit dem brechen, was sonst so überall rumfliegt. Aber insgesamt ist es viel zu viel, zu grell und bunt.

Sie bezeichnen sich selbst als Vollzeitaktivistin. Das klingt anstrengend.

Widerstand ist für mich kein Hobby, sondern füllt mein Leben aus. Sicherlich ist es immer wieder anstrengend. Ich bin aber nicht nur bei Kletter- und Ankettaktionen dabei, sondern mache auch Hintergrundrecherchen oder schreibe Pressemitteilungen. Die Arbeit ist sehr vielseitig und nicht alles ist anstrengend. Zwischendurch fahre ich auch mal zwei Tage ans Meer.

Was ist denn eine Ihrer mutigsten Aktionen gewesen?

Ich habe mich mal an Schienen angekettet, um einen Transportzug der Bundeswehr zu stoppen.

Sie haben die Durchfahrt des Zuges verzögert, nicht verhindert. Lohnt es sich dafür, das eigene Leben zu gefährden?

Bei professioneller Durchführung ist das Risiko, überfahren zu werden, gering. Wir haben die Zugdurchfahrt zwar nur verzögert, so ist das aber bei jedem Castortransport auch. Ich glaube dennoch, dass dadurch eine große Öffentlichkeit entstanden ist und die Normalabläufe der Bundeswehr so empfindlich gestört wurden, dass es sich gelohnt hat.

Ist Ihnen der Protest wichtiger als manche Gesetze?

In jedem Fall, ich halte nichts von Gesetzen. Ich mache das, was ich für richtig ansehe. Wenn ich dabei mit Gesetzen in Konflikt komme, setze ich mich damit auseinander, zum Beispiel mit dem Versammlungsgesetz.

Warum halten Sie nichts von Gesetzen?

Regeln zwischen Menschen sollten das Ergebnis von Aushandlungsprozessen sein. An den Gesetzen, die gerade gelten, war ich nicht beteiligt.

Ich kann nicht nachvollziehen, wie Sie durch Schwarzfahren die Welt verbessern wollen.

Ich wünsche mir einen öffentlichen Nahverkehr, der komplett kostenfrei ist. Ich glaube nicht, dass ich das System durch Schwarzfahren schädige. Mir geht es vor allem darum, zu diskutieren, warum braucht man eine Fahrkarte, warum gibt es wenige Superreiche, die sich ein Privatflugzeug leisten, und doch müssen Hartz-IV-Empfänger noch für einen Fahrschein bezahlen.

Interview: Franziska Schubert

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