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Kampf um die Wahrheit Gegen Fakenews hilft nur kritisches Denken

Seit mehreren Jahren geistert der Begriff Fakenews durch die Medien. Was im Urkainekonfikt noch als russische Propaganda galt, wurde bald integraler Bestandteil des US-Wahlkampfes und ist in Deutschland längst als Motor des rechten Stimmenfangs etabliert.

Fakenews - Wie mit Lügen Politik gemacht wird
v.l.: Moderator Vladimir Balzer mit den Journalisten Matthew Karnitschnig, Yevhen Fedchenko, Dr. Maren Urner und dem Generalsekretär des Goethe-Instituts Johannes Ebert. Foto: Daniel Lücking

Auf dem Podium Weltbühne sitzen Medienmacher zum Thema „Fakenews – wie mit Lügen Politik gemacht wird“. Wer entscheiden will, ob es sich bei einer Nachricht um Fakenews handelt, kommt nicht darum herum, sich bis zur Quelle der Information durchzuarbeiten. Medienschaffenden geht das leicht über die Lippen. Doch für Mediennutzende ist es ein nahezu utopischer Gedanke, jede Information bis zur Quelle hin zu analysieren.

Maren Urner ist Gründerin und Autorin von Perspective Daily, einer Plattform, die im Hochgeschwindigkeitsgeschäft online mehr Qualität durch Fachwissen liefern will. Objektiv berichterstatten sei ein Mythos, so die Neurowissenschaftlerin, denn die Perspektive der Lesenden trägt schon dazu bei, ob eine Nachricht als wahr interpretiert wird oder nicht.

Die eine Wahrheit gibt es nicht

„Ich wage nicht zu sagen, wie nah wir der Wahrheit tagtäglich kommen“, räumt Matthew Karnitschnig von POLITICO Europe selbstkritisch ein und berichtet über den gerade laufenden österreichischen Wahlkampf. „Für mich beginnt Fakenews dort, wo das Motiv ein anderes ist als zu informieren und wo die Beweggründe des Urhebers nicht ganz klar oder nicht ganz in Ordnung sind.“

Dabei sagt Karnitschnig aber auch deutlich, dass es keinen objektiven Journalismus gibt. Schon durch die Reihenfolge und die Gewichtung der Redeanteile in der Politikberichterstattung handelt jedes Medium subjektiv. In Deutschland gäbe es aber weiterhin großes Vertrauen in den öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Für den Generalsekretär des Goethe-Instituts Johannes Ebert ist Journalismus objektiv „wenn Journalismus nach handwerklichen Kriterien gemacht wird und mehrere Quellen herangezogen werden“.

Yevhen Fedchenko hat es in der Ukraine ausnahmslos mit privaten Medien zu tun. Der Gründer der Onlineplatform StopFake.org – eine von 113 Platformen weltweit, die versuchen, Fakenews zu enttarnen – plädiert dafür, bei jeder Information den Absender und dessen Motivation offenzulegen. „Besonders schwierig ist es im Moment, weil sich Propaganda als Journalismus tarnt“, sagt er, „Menschen konsumieren die Falschinformationen und sind immer noch davon überzeugt, es handele sich um Journalismus.“ Vielen Menschen fehle es an der nötigen Medienkompetenz, um Fakenews und Propaganda zu entlarven. Matthew Karnitschnig sieht in den Wahlerfolgen der AfD, aber auch der Linken in Ostdeutschland, ein Indiz für fehlende Medienkompetenz.

Dass die Verlockung groß ist, allem zu glauben, was ein bereits vorhandenes Weltbild stützt, erklärt Maren Urner aus ihrer Expertise als Neurowissenschaftlerin. „Es macht einfach evolutionstechnisch keinen Sinn, bei jeder Sache, die unsere Identität hinterfragt, eine Änderung vorzunehmen.“ In der Vergangenheit sei es sinnvoller und überlebenswichtig gewesen, die eigene Identität aufrecht zu erhalten. Unser Hirn habe sich nicht so schnell entwickelt, wie die Informationswelt, die uns umgibt.

Social Media: Fluch und Chance zugleich

Die viel kritisierten Onlinefilterblasen – also Gruppen von Menschen mit geschlossenen Weltbildern – würden zu Unrecht in den deutschen Medien schlecht bewertet. „Untersuchungen zeigen, dass die sozialen Medien es tatsächlich schaffen, das Filterblasenphänomen ein bisschen aufzuweichen. Menschen kommen potentiell viel leichter in Berührung mit anderen Standpunkten. Das gab es früher am Stammtisch so noch nicht“, schildert Urner.

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