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Ich war noch niemals in Frankfurt Ankunft in der Stadt der Bücher

Berliner sind eigensinnig und verlassen ungern ihre Stadt. Nach Frankfurt zur Buchmesse hat sich unsere Autorin trotzdem aufgemacht. Ein erster Eindruck:

Buchmesse Frankfurt
Eine Stadt aus Büchern. Foto: Frank Rumpenhorst

Einfahrt auf Gleis 8. Willkommen in Frankfurt am Main Hauptbahnhof. Noch einen Tag bis zur Buchmesse. Ich gehöre zu einer Gruppe von Studierenden aus Berlin, die, wenn sie groß sind, Kulturjournalisten werden wollen, so heißt nämlich auch unser Studiengang. Schreiben dürfen und sollen wir über die Buchmesse, schreiben, schreiben, schreiben.

Schon im Bahnhofsgebäude brüllt einem die Büchervernarrtheit der Stadt entgegen! Gleich zwei große Buchläden und besonders schön: lange, vollgestopfte Bücherreihen mit internationaler Literatur auf Englisch. Dit jibts noch nich mal in Berlin… Dann noch aufgebaut: ein Literaturbahnhof. Die Regale sind zwar noch verwaist, die Folie auf dem roten Teppich noch halb verklebt, doch langsam versucht sie sich schon abzupellen.

Draußen ist es verregnet, die Türme im Bankenviertel sind von dichten Wolkenmassen umhüllt,  wie von gräulicher Zuckerwatte. Am Grand Tower kreischt der Baulärm. Das Gebiet in Richtung Messegelände scheint so etwas wie der Potsdamer Platz der Hauptstadt zu sein. Alles ist neu erbaut. Was hier wohl vorher stand?

Dann rechts abbiegen von der Europa-Allee, neben mir ein gewisses Skyline Plaza und schon ist man da an der Messe Frankfurt, die Festhalle ein bescheidenes Gebäude eigentlich.

Goethe hat mal wieder Recht

Noch kann man nicht rein, die Akkreditierungen erhalten wir erst am Tag darauf, ich stehe also sehnsüchtig starrend, von weitem. Da hinten! Das „Lesezelt“. Wer rein kann, muss sich Ausweis und Taschen kontrollieren lassen. Dieses Jahr findet die Buchmesse unter verschärften Sicherheitsvorkehrungen statt, darüber sind wir schon im Vorfeld ausführlich informiert worden. Lesen ist nun mal gefährlich.

Nichtsdestotrotz herrscht geschäftige Voraufregung. Ein Amerikaner stürzt vorbei, brüllt in sein Handy. Franzosen mit großen Taschen, Lastwagen aus Holland, Sprachen, die ich nicht kenne. Hab ich’s doch gewusst, dass Goethe mal wieder Recht gehabt hatte: „In einer Stadt wie Frankfurt befindet man sich in einer wunderlichen Lage; immer sich kreuzende Fremde deuten nach allen Weltgegenden hin und erwecken Reiselust.“

Reisen kann man auch in Büchern. Bald geht es los. Eine Gruppe japanischer Verleger mit großen Verlagsausweisen um den Hals bleiben stehen und heben bewundernd ein rotweinfarbenes Blatt hoch, halten es gegen den grauen Himmel und lachen verzückt. Gibt es nicht ein japanisches Sprichwort das da lautet: „Auf jedem Blatt steht ein Buch geschrieben“? Bestimmt.    

Dieser Beitrag ist entstanden im Rahmen des Buchmessen-Projekts „Unter Dreißig“ mit Kulturjournalismus-Studierenden der Universität der Künste Berlin.

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