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Frankfurter Buchmesse - Diskussion „Wir müssen sichtbarer werden“

Wie sieht die Zukunft der Buchkultur aus? Diese Frage beschäftigt auch unabhängige Verlage. Sie war Gegenstand einer Podiumsdiskussion am ersten Messeabend im Historischen Museum.

Axel von Ernst auf der Frankfurter Buchmesse
Axel von Ernst arbeitet hauptberuflich als Schriftsteller und Dramatiker. Seit 2007 ist er Verleger im Lilienfeld Verlag. Foto: Isabella Nadobny

Wissen Menschen, dass manche Verlage nur zwei feste Mitarbeiter*innen haben? Was verdient man noch an Büchern? Und, wer liest überhaupt noch? Am Mittwochabend diskutierten unter dem Titel "Climate Change? Wie sieht die Buchkultur von morgen aus?" Christoph Links vom Ch. Links Verlag, kookbooks-Verlegerin Daniela Seel, Axel von Ernst vom Lilienfeld Verlag und Kyra Dreher vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels im Historischen Musuem in Frankfurt. Sie sprechen über die Zukunft ihres Buchmarktes. Den Markt der unabhängigen Verlage.

Die Ausgangssituation, die Moderatorin Manuela Reichart zunächst skizzierte, ist dabei wenig hoffnungsvoll: Einige wichtige Kleinverlage sind in letzter Zeit eingestellt worden oder insolvent gegangen, darunter der Münchener A1 Verlag und der Stroemfeld Verlag. Es mangelt an Leser*innen, aber vor allem an Geld. Viele der kleineren unabhängigen Verlage, die unter drei Millionen Jahresumsatz machen – und das ist die große Mehrheit der rund 1700 im Börsenverein organisierten Firmen – arbeiten nur noch kostendeckend. Viele unabhängige Verleger*innen bestreiten ihren Lebensunterhalt mit anderen Jobs und nehmen zur Finanzierung "Einladungen zu Podiumsdiskussionen an", scherzt Verleger Axel von Ernst.

Kleine Verlage kämpfen seit Jahren mit finanziellen Unsicherheiten. Erschwerend kam 2016 ein VG-Wort-Urteil hinzu. Seitdem kommen die Ausschüttungen der Verwertungsgesellschaft – rückwirkend bis 2012 – nur noch den Autor*innen und nicht mehr den Verlagen zugute. Es sei denn, Autor*innen stimmen einem Verlagsanteil freiwillig zu.

Verlagsarbeit ist oft unsichtbar

Ein Dilemma: Es gibt wenig Geld in den Verlagskassen, doch Leser*innen wollen auch nicht mehr Geld für Bücher bezahlen. Ein Zeichen mangelnder Wertschätzung? Das fehlende Verständnis für teurer werdende Bücher läge auch daran, dass viele nicht wüssten, welche Arbeit hinter der Entstehung eines Buches stecke – jenseits des Schreibens: „Wir stecken viel Zeit, Kraft, Arbeit in die Bücher. Sachbücher benötigen mindestens eine Verlagsarbeit von einem halben Jahr“, erklärt Christoph Links.

Was die Arbeit von Verlegern wirklich ausmache, das wüssten nur wenige branchenfremde Menschen. Da ist sich das Podium einig. Um unter anderem die Sichtbarkeit zu stärken, hat Axel von Ernst, mit 60 anderen Verleger*innen im Februar 2018 die „Düsseldorfer Erklärung“ verfasst. In dieser fordern die Verleger*innen eine staatliche Förderung ihrer Arbeit, schlagen den Aufbau einer „Bundeszentrale für literarische Bildung“ vor und die Einrichtung eines „Deutschen Verlagspreises.“ Die letzte Forderung, das erklärte die Staatsministerin für Kultur und Medien, Monika Grütters, gestern in einer Pressemitteilung, wurde erhört. „Angesichts der angespannten Situation gerade kleinerer und anspruchsvoller Verlage wollen wir ein Zeichen für literarische Vielfalt setzen“, so Grütters. Ein „Deutscher Verlagspreis“ soll kommen.

„Keine langfristige Entspannung“

Der Verlagspreis soll dann in Zukunft Spitzenpreise vergeben und zusätzlich aus einer mittleren zweistelligen Zahl von Förderpreisen für Verlage bestehen. Sein Gesamtbudget soll mindestens so hoch liegen wie bei seinem Vorbild, dem Deutschen Buchhandlungspreis. Dieser wird mit einer Million Euro pro Jahr gefördert. Der Preis sei ein „guter Anfang“, wertet Kyra Dreher vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels. Es sei ein erster Schritt, der jedoch „keine langfristige Entspannung“ bringen wird, sagt hingegen Axel von Ernst. Damit ein Preisgeld kleinen Verlagen wirklich helfe, müsse es sehr hoch sein. Mit einer Dotierung von beispielsweise 20.000 Euro könne er zwei Bücher verlegen, danach werde er wieder mit den Büchern in seinem Verlag „die Welt beschenken“, wie er es immer tue. Durch einmalige Preisgelder sind keine langfristigen Planungen für die Verlage möglich. Doch eine längerfristige institutionelle Förderung ist problematisch, da die unabhängigen Verlage, genau wie Verlage hinter denen ein großer Konzern steht, als Wirtschaftsunternehmen eingestuft werden. Die Verleger*innen gelten als Unternehmer*innen, die Profite erwirtschaften müssen, und nicht als Kulturschaffende. Ein Vorbild, wie das anders laufen könnte, liefert die Schweiz. Dort werden unabhängige Verlage seit zwei Jahren projektunabhängig gefördert. Die Verlagsarbeit wird dort als bedeutende Rolle für die Kultur anerkannt.

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