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Buchmesse – Snapshots Moment mal!

Unsere Autor*innen haben die ersten 24 Stunden #fbm18 mit Hilfe literarischer Schnappschüsse aufgenommen. Hier eine Auswahl

11.10.2018 17:10
Auf der Rolltreppe übers Messegelände
Es geht abwärts: Impression vom ersten Tag der Frankfurter Buchmesse. Foto: Isabella Nadobny

Der 8-Uhr-Zug, der nicht als ICE, sondern als türkis-altrosafarbener Neunzigerjahrezug ohne Strom und WLAN durchs Land Richtung Frankfurt zuckelt.

 

Die Gruppe, die verwirrt vor Halle 6 steht und die Ausmaße des Buchmessegeländes bestaunt.

 

Die ältere Frau, die auf der Rolltreppe genervt zu ihrer Begleitung sagt: "Gibt's denn hier nur noch Kinderbücher? Und Kuschelteddybären? Das war doch früher nicht so."

 

Der Mann mit Dreitagebart, der mit Smartphone in der Hand erst zielsicher in eine Richtung läuft, nach ein paar Schritten stehen bleibt, ein wenig scrollt und wieder umkehrt.

 

Der junge Autor, dem gegenüber dem Journalisten ein „Scheiße“ rausrutscht und der daraufhin von einem älteren Messebesucher ermahnt wird, sich ja die Zitate zur Freigabe schicken zu lassen.

 

Die giggelnde Meute, die sich in letzter Sekunde in den überfüllten U-Bahn-Waggon quetscht, um den Kopf voll mit Eindrücken endlich nach Hause zu tragen.

 

Der garstige, grinchähnliche Taxifahrer am Hauptbahnhof, der zu der eben zugestiegenen Frau sagt: „Den Hermesweg kenne ich nicht.“ Und die Frau, die antwortet: „Dann schauen Sie doch in ihr Navi.“ Und der Mann, der erwidert: „Hab kein Navi. Bitte steigen Sie in ein anderes Taxi“, und die Kofferraumklappe vom Lenkrad aus öffnet.

 

Der Mann, der im Hermesweg das Fenster öffnet, seelenruhig eine leere Flasche auf den Gehweg fallen lässt, dem Klirren hinterherhorcht und das Fenster wieder schließt.

 

Das Goethehotel, das nachts von Weitem wie ein zwischen Gewerbegebiet und Bahnstrecke gestrandeter Vergnügungsdampfer aussieht, der von einer indisch-polnischen Besatzung in Betrieb gehalten wird.

 

Die Main-Brücke, die am Morgen dafür sorgt, dass in Anzüge gekleidete und gelangweilt schauende Geschäftsmänner, die wie Zombies trotten, pünktlich zur Arbeit kommen. 

 

Der junge Mann mit den kabellosen Ohrhörern an der Tür der Straßenbahn, der die handgeschriebenen Blätter noch einmal durchgeht, die mit der Frage beginnen: „Warum sind Sie hier?“ Und der darauffolgenden Antwort: „Ich bin auffällig gewesen.“

 

Das Mädchen, das noch, vom Flair der Frankfurter Morgensonne verzaubert, an einem älteren Herren vorbeigeht und zu ihrem Verdruss aus den Augenwinkeln sieht, wie ein gallertartiger Schwall Spucke seinen Mund verlässt.

 

Die Hostess, die mit erzwungener Freundlichkeit den gefühlt hundertsten Journalisten am Eingang zu den Messehallen darauf hinweist, dass die Messe für ihn erst um 8.45 Uhr öffnet.

 

Die Frau mit der lauten Stimme, die hektisch in ihrer dunklen Handtasche kramend Tempo und Endlichkeit des Laufbands vergisst.

 

Die müden Morgenmuffel, die über einer dampfenden Tasse Yogi-Tee einem Kinderbuchautor lauschen und durch seinen enthusiastischen Vortrag langsam erwachen.

 

Der ältere Herr im zu engen Hemd, der trist auf einem Stuhl des Pressezentrums verharrend mit den Augen zwischen weißer Wand und flackerndem Bildschirm hin- und herspringt.

 

Der versonnen dreinblickende Mitarbeiter der Fressbude, der in schönster Spätsommersonne den Senf-Spender im Innenhof des Messegeländes putzt.

 

Die Frau, die ein senfgelbes Kleid zu leuchtend gelben Schuhe trägt und hektisch herumschwirrt wie eine Biene.

 

Der Mann, der schnellen Schrittes unterwegs ist, aber etwas langsamer wird, wenn er Entgegenkommenden beim Blick ins Gesicht anlächelt.

 

Der Verleger, dem bei einer Podiumsdiskussion zur Zukunft der Buchkultur die Tränen kommen.

 

In der Rubrik Unter Dreißig“ berichten Studierende aus Berlin von der Frankfurter Buchmesse.

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