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Buchmesse - Self-Publishing Area Der Tag, an dem ich einen Bestseller schrieb

Der Self-Publishing Bereich der Buchmesse lehrt das erfolgreiche Schreiben. Unsere Autorin hat sich umgehört, will bald einen Liebesroman bei Kindle veröffentlichen und hat einen praktischen Leitfaden für Sie geschrieben.

Ein eigenes Buch in nur fünf Schritten. Foto: Eva Marburg

„Niemals würde ich mein Buch selbst publizieren“, sagt meine Kommilitonin an einem der Pommes-Stände der Frankfurter Buchmesse indigniert, als ich ihr von meinem Vorhaben erzähle, meinen ersten Roman selbst zu veröffentlichen: „Niemals, niemals, niemals!“ Meine Kommilitonin hat einfach den Schuss noch nicht gehört. Der Self-Publishingmarkt boomt, so steht es in dem Programm der Buchmesse, und müsse in puncto literarisches Niveau den Vergleich mit traditionellen Verlagsprodukten nicht mehr scheuen. Na bitte. Deshalb habe man, so heißt es weiter, den Self-Publishingmarkt zu einem Themenschwerpunkt der diesjährigen Messe gemacht.

Voller Tatendrang begebe ich mich also in die Halle 3.0. Der diesjährige Themenschwerpunkt befindet sich rechts hinten in der Ecke der Halle, ganz am Ende eines langen Korridors, gesäumt von Manga-Comicständen, eingequetscht zwischen dem Stand des Titanic-Magazins, der unter Plakaten von Angela Merkel  begraben liegt, auf denen „Kohls Mädchen packt aus“ steht, und dem Notausgang. Willkommen in der Self-Publishing Area.

Breit, Schmal, Quadratisch oder Individuell?

Am Stand des Amazon-Verlags führt ein Autor am Screen in das System von Kindle Direct Publishing, kurz KDP, ein. Es gebe nichts einfacheres, als das eigene Buch bei Kindle hochzuladen, erläutert er. Circa 20 zukünftige Kindle-Autoren und ich nicken. Unter den Neutalenten bin ich die Jüngste, die meisten meiner Kolleginnen sind weiblich und schätzungsweise um die 50 Jahre alt. Hier und da sitzt auch ein Mann verstreut, mit krummem Rücken und offenem Staunemund über die Möglichkeiten der Technik. Und die sind enorm. Der Buchgestaltung seien praktisch keine Grenzen gesetzt, verspricht der gute Mann. Das Format des Buches lasse sich beliebig einstellen, in Breit, Schmal, Quadratisch oder vollständig individuell, an die Größeneinheiten in Zoll und Inch gewöhne man sich, das käme aus dem Amerikanischen. Achtung, bei dicken Büchern ab 200 Seiten müsse man den Innenrand größer machen, sonst könne man durch die Bindung im Printformat den Text nicht mehr lesen.

Die Kugelschreiber fliegen über die Notizblöcke. Dann Seitenzahl einfügen, geht es in hohem Tempo weiter, Silbentrennung anklicken und schon ist man fast fertig. Das Aufwendigste wären die im Fachjargon genannten „Hurenkinder“, warnt der Experte nach einer Kunstpause. Erschrockene Blicke. Das seien die einzelnen Wörter, die vor einem neuen Absatz auf die nächste Seite rutschen und dann alleine oben in einer Ecke stehen. Der Screen zeigt uns ein solches „Hurenkind“. Schön sieht das wirklich nicht aus. Im klassischen Verlagswesen seien sie in Deutschland nicht erlaubt, aber das würde sich für Self-Publishing bald ändern, verspricht er. Ach so.

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