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Buchmesse - Modekolumne #1 Wenn Mode auf den Sack geht

Es geht um Intellekt, nicht um Aussehen. Und dennoch werden auf der Frankfurter Buchmesse modische Statements gesetzt – bewusst wie unbewusst. Die Kolumne beobachtet die Besucher*innen.

Wenn Mode auf den Sack geht
Rucksäcke sind ein zu Unrecht vernachlässigtes Accessoire, das nur in den seltensten Fällen tatsächlich zum Anzug passt. Foto: Elena Berchermeier

Männer in gut und manchmal weniger gut sitzenden Anzügen machen große Schritte, sie scheinen es eilig zu haben, in die Hallen der Frankfurter Buchmesse zu gelangen. Das mag so manch eine*n assoziieren lassen, dass eben diese Männer besonders wichtig sind und Termine haben, zu denen sie nicht zu spät kommen dürfen. Um ihre Wichtigkeit modisch zu untermalen, tragen sie diese Anzüge – zusammengenommen verschwimmen die Männer in einem Meer aus grauem, schwarzem oder dunkelblauem Garn. Und doch hebt sich der eine oder andere von der Masse ab, der Wunsch nach Individualität scheint vorhanden zu sein. Es kann allerdings auch ein Zeichen der Abwesenheit von gutem Geschmack sein.

Hin und wieder taucht ein bisschen Farbe auf, trägt einer von ihnen keine Aktentasche, sondern etwa einen Rucksack. Ein leuchtendes Rot, Details in grellem Grün und sportliche Logos – diese Akzente mögen zur Wanderkluft passen, nicht jedoch zum gewünschten Ausdruck von Autorität. Sie erinnern mehr an Bergsteigen als an Business. Dass Mode nicht immer nur einen schmückenden, sondern durchaus einen praktischen Zweck erfüllen kann, schließt sich nicht gegenseitig aus. Der Rücken wird durch die beidseitige Belastung der Schultern geschont, der Stauraum ist enorm und man hat die Hände frei. Nur in der Gesamtheit muss alles zusammenpassen, der Rucksack sollte der Klasse des Anzugs gerecht werden.

Seit Athleisure-Wear im Alltag angekommen ist, hat sich so manche Kleiderordnung verändert. Selbst bei noch so strengen Dresscodes kann ein sportliches Detail getragen werden, auch die Kombinationsmöglichkeiten zu Anzügen werden immer vielfältiger. Während Sneakers früher undenkbar waren, wirken sie heute lässig zum Anzug. Und dennoch stellt sich die Frage, ob ein Sportrucksack bereits ein bewusstes, modisches Statement sein kann oder schlicht Faulheit ist? Die Kennzeichnung von Wichtigkeit reicht gerade bis zum Anzug, bei den Accessoires hört sie auf.

Etwas Schönes auf dem Rücken kann auch entzücken

An stilvollen Alternativen kann es den Männern nicht mangeln, denn es gibt mittlerweile Rucksack-Modelle aus Leder und Kunstleder, die durch Form und Farbe überzeugen. Ohne Schnickschnack, ebenso schick wie eine Aktentasche und gleichzeitig rückenschonend. Sie reihen sich in die Lässigkeit der Sneakers ein und schaffen es, für die nötige Individualität zu sorgen. Wieso sprechen eigentlich immer noch so wenige Menschen über Herrenhandtaschen oder gar schöne Herren-Rucksäcke?

Pünktlich zum Feierabend kommt die Schar der Anzugträger wieder zusammen und die Rucksäcke tauchen erneut auf. Doch selbst wenn die Wege durch die Frankfurter Buchmesse einer Wanderung gleichen, könnte diese auch stilvoll beschritten werden.

 

In der Rubrik Unter Dreißig“ berichten Studierende aus Berlin von der Frankfurter Buchmesse.

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