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Buchmesse Interview Feingeister mit Leidenschaft

1. UpdateMit der Übersetzung des Romans „Erschlagt die Armen!“ der indisch-französischen Schriftstellerin Shumona Sinha ist Lena Müller bekannt geworden. Dafür erhielt sie 2016 zusammen mit Sinha den Internationalen Kulturpreis in Deutschland. Ein Gespräch über Leidenschaft, fehlende Sichtbarkeit und das Schöne am frankophonen Französisch.

Lena Müller, Übersetzerin
Lena Müller, Übersetzerin und Autorin. Foto: Bild Privat

Ich glaube, dass Mehrsprachigkeit auch immer eine gewisse Haltung zur Welt ist und Vermittlungsprozesse zur heutigen Welt sosehr dazugehören, dass die Menschen sich dafür zu interessieren beginnen.

 

Wie sieht es mit der Bezahlung aus, hat diese wachsende Aufmerksamkeit auch da zu einer Verbesserung geführt?

 

Der Bereich des Literaturübersetzens ist nach wie vor der am schlechtesten bezahlte und es gibt hier auch die geringsten Handlungsspielräume bei den Honorarverhandlungen. Wir sprechen von plus, minus zwei Euro für die Normseite.

Gute, differenzierte Übersetzungen zu machen, nimmt nunmal seine Zeit in Anspruch. Klar kannst du sehr viel arbeiten, aber die Größenordnung der Zeit, die du benötigst, verändert sich nicht. Ich denke, diese Verhältnisse schrecken viele ab. 

 

Was für Projekte sind in Zukunft geplant?
 

Nicht ganz zufällig habe ich mich die letzten Jahre quasi ausschließlich mit den sogenannten frankophonen Autorinnen beschäftigt. Ich habe nur mehrsprachige Autoren übersetzt, von denen manche das Französische als ihre erste Sprache haben, daneben aber noch immer eine andere Sprache sprechen. Zum Beispiel das Kabylische oder Arabische. Oder Autorinnen, die - wie Shumona Sinha - das Französische erst später in ihrem Leben gelernt und die Sprache gewissermaßen adoptiert haben. Diese Art von Mehrstimmigkeit innerhalb einer Sprache interessiert mich nach wie vor sehr.

Aktuell habe ich ein Projekt mit einem haitianischen Autor, den ich übersetze, der mittlerweile in Frankreich lebt. Diese Zugriffe auf das Französische, bei denen die Autoren die Sprache zwar als eine sehr enge Verbündete haben, sie aber gleichzeitig - weil sie das Französische vor allem als eine koloniale Sprache erlebt haben - ihrer Kritik aussetzen, sind sehr spannend. Im Sinn von „Ich nehme die Sprache und mache aus ihr, was ich aus ihr machen will.“, wie es beispielsweise Fiston Mwanza Mujila formuliert. 

 

Diese Intimität bei gleichzeitig kritischer Distanz interessiert mich. Vor allem, was sie mit dem Französischen macht. Auch literarisch entsteht durch dieses Verhältnis eine sehr dringliche Intensität!

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