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Buchmesse Frankfurt Ein poetisches Statement

Der Binooki Verlag aus Berlin übersetzt türkische Gegenwartsliteratur ins Deutsche und scheut sich nicht vor Kritik an Erdogan. Für seine brückenbauende Arbeit wurde der Verlag dieses Jahr mit einem der höchstdotierten europäischen Kulturpreise ausgezeichnet. Ein Besuch auf der Buchmesse.

Inci Bürhaniye und Selma Wels vom Binooki Verlag
Die Schwestern Inci Bürhaniye (l.) und Selma Wels verlegen im Binooki Verlag türkische Gegenwartsliteratur in deutscher Sprache. Dabei verstehen sie sich auch als Plattform für kritische Stimmen gegenüber Erdogan. Foto: Stephan Pramme

Gaye Boralioglu lebt in Istanbul. Seit in der Türkei massenhaft Journalisten festgenommen werden, hat die Autorin, die auch für die taz schreibt, jedes Mal Angst, wenn bei ihr im Haus jemand die Treppe hochkommt, berichtet die Verlegerin. Wer ausschließlich Fiktion schreibt, hätte weniger Probleme. „Das ist schon ein bedrückendes Schreiben und Arbeiten“, sagt Bürhaniye.

Kritische Anthologie zu Gezi-Park-Protesten

Sie will den kritischen Stimmen eine literarische Plattform bieten, wie bei den Gezi-Park-Protesten. Der Binooki Verlag hat dazu eine Anthologie herausgebracht, in der 19 Autoren ihre Eindrücke schildern. Frauen, Männer, junge und alte Menschen, Kurden und Armenier. „Wir haben versucht, einen türkischen Verlag für die Anthologie zu finden. Aber es hat sich keiner getraut, die Texte zu veröffentlichen.“ 

Bei der Auswahl ihrer Bücher legen Inci Bürhaniye und ihre Schwester besonderen Wert auf die Qualität des Textes, den literarischen Stil, weniger auf den Inhalt. Dann müssen sie einen Übersetzer finden. Dabei sind junge Übersetzer geeigneter für junge Sprache, sagt die Verlegerin. „Das ist wie mit einer Synchronstimme. Die muss passen, und bleibt dann auch die Stimme.“

Die deutschen Übersetzungen seien immer länger als der türkische Originaltext, da es im Türkischen Begriffe gebe, für die man im Deutschen einen ganzen Satz braucht: Das Wort Yakamoz zum Beispiel bedeute so viel wie „Das Spiegeln des Mondlichts im Wasser“.

Ähnlich poetisch müssen auch die ersten Messestände von Binooki ausgesehen haben. Zu Regalen zusammengeschraubte Weinkisten, die mit bunten Büchern gefüllt an die prächtigen Obst- und Gemüseauslagen türkischer Marktstände erinnern sollten. Davon sind beim diesjährigen Messestand nur noch zwei Kisten zu Anschauungszwecken übrig, ansonsten ist der Stand mit seinen taubenblauen Wänden und den weißen Regalbrettern eher minimalistisch.

Die Kistenregale schmücken nun die Schöneberger Altbauwohnung, in der das Büro von Binooki untergebracht ist, und von dem aus bei Onlinebestellungen die Bücher rausgehen. Außerdem führen viele kleine und ein paar große Buchhandlungen ihre Bücher, sagt die Verlegerin.

Faszination für türkische Literatur kommt von den Eltern 

Auch wenn Inci Bürhaniye mit ihrer Schwester nicht immer einer Meinung ist, macht ihr die Zusammenarbeit Spaß. „Wir ergänzen uns gut. Zwischen uns liegen zwölf Jahre Altersunterschied. Das merkt man auch an unserer Arbeitsaufteilung. Meine Schwester macht die sozialen Medien, ich kümmere mich um das Rechtliche.“

Die Faszination für gut erzählte Geschichten haben Bürhaniye und Wels, die in Baden-Württemberg aufgewachsen sind, von ihren Eltern. Der Vater erzählte den Töchtern selbst ausgedachte Gute-Nacht-Geschichten zum Einschlafen. Die Mutter, die in der Türkei Grundschullehrerin war, wanderte 1965 mit einem Koffer voller Bücher nach Deutschland aus, erzählt die Verlegerin. „Ich habe die Bücher gelesen und war von der wunderschönen Sprache fasziniert.“

Dieser Beitrag ist entstanden im Rahmen des Buchmessen-Projekts „Unter Dreißig“ mit Kulturjournalismus-Studierenden der Universität der Künste Berlin.

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