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Buchmesse Frankfurt Aufstiegschancen mangelhaft

Wie gleichberechtigt ist die deutsche und die französische Buchbranche? Einblick gibt die Auszeichnung von Nina George als Bücherfrau des Jahres und ein Gespräch mit Verlegerinnen aus Frankreich auf der Buchmesse.

Französische Verlegerinnen 2
Über Gleichberechtigung in der französischen Buchbranche: Die Verlegerinnen Hedwige Pasquet, Claire Stavaux und Joëlle Losfeld (v.l.) berichten davon bei einer Podiumsdiskussion. Foto: Anna Fastabend

Die Gleichstellung von Frauen und Männern in der deutschen und französischen Buchbranche? Da muss sich offensichtlich noch vieles ändern. Dies zeigt ein Besuch von zwei Veranstaltungen des Netzwerkes Bücherfrauen auf der Leseinsel der unabhängigen Verlage am Donnerstag. Drei französische Verlegerinnen berichten, wie es in Frankreich aussieht, anschließend ruft die deutsche Autorin Nina George, die an diesem Tag zur Bücherfrau des Jahres gekürt wird, dazu auf, sich für mehr weibliche Stimmen in Verlagen, Jurys, Redaktionen und auf Literaturlisten einzusetzen.
 
So richtig Karriere in der deutschen Literaturbranche haben laut Nina George bis heute verhältnismäßig wenige Frauen gemacht: Sie besetzen nur fünf Prozent der höchsten Entscheidungspositionen, im mittleren Management sind es knapp 20 Prozent. Zudem gewinnen Autoren fünf Mal häufiger renommierte Literaturpreise als Autorinnen, werden drei Mal öfter in den Feuilletons besprochen und in den Verlagshäusern drei bis fünf Mal häufiger im Hardcover herausgebracht. Auf den Leselisten im Deutschunterricht und Germanistikstudium sind Schriftsteller sechs Mal öfter vertreten, und unter den Lektüreempfehlungen der Zeitungen zur Frankfurter Buchmesse sind im Schnitt drei Viertel der Bücher von Männern verfasst.
 

Die Zahlen stammen aus Georges zehnjähriger Beobachtung der Buchbranche und wurden von ihr Anfang des Jahres zum Teil unter dem Titel „Macho Literaturbetrieb“ im Börsenblatt veröffentlicht. Nun ist sie für ihren unermüdlichen Einsatz für Frauenrechte, verfolgte Autoren und den Schutz des Urheberrechts mit dem Titel „Bücherfrau des Jahres“ ausgezeichnet worden.

Nur fünf Prozent Frauen in den Chefetagen der deutschen Buchbranche

Zu Georges Auszeichnung sind zahlreiche Gäste gekommen, die sich nun auf den Bänken und auf dem Boden sitzend drängen. Viele von ihnen müssen stehen. Als die Präsidentin des Pen-Zentrums Deutschland Regula Venske ihre Laudatio hält, wird zwischendrin immer wieder laut gejohlt und geklatscht. Venske, selbst Autorin, lässt es sich nicht nehmen, ihre überschwängliche Lobeshymne in eine kleine Geschichte zu verpacken. „Wäre Nina George eine Romanfigur, ich hätte sie nicht erfinden können“, sagt sie, und schwärmt in so hohen Tönen von der 44-Jährigen, dass es der an manchen Stellen fast schon unangenehm ist.

George bewältigt ein Arbeitspensum wie nur wenige. Sie schreibt seit 1993, seither sind zahlreiche Romane, Reportagen, Kurzgeschichten, Essays und Kolumnen entstanden. Ihr Roman „Das Lavendelzimmer“ über einen Buchhändler, der Bücher wie Medizin verschreibt, während er selbst unglücklich verliebt ist, stand mehr als 60 Wochen auf der Spiegelbestsellerliste und wurde in mehr als 30 Sprachen übersetzt. 

Außerdem engagiert sich George in einer Vielzahl von Vereinigungen. Im  Bundesvorstand des Verbandes deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller  kümmert sie sich um Urheberrecht und Digitales, bei einem Womens-Manifesto des Pen International für mehr Sicherheit, Bildung und Gleichberechtigung arbeitete sie als Co-Autorin mit.
 
Als Nina George spricht, erinnert sie an die Ressentiments, denen Frauen, die im Buchhandel arbeiten wollten, noch vor nicht allzu langer Zeit ausgesetzt waren: „Vor 120 Jahren hielten es Buchhändler für unerträglich, dass sie den geistigen Feinstoff Seite an Seite mit ‚dummen Frauenzimmern’ verkaufen sollten. (...) Im Börsenblatt von 1895 lehnte ein Verleger Buchhändlerinnen wegen ihrer ‚intellektuellen Defizite’ ab.“

Und als Frauen längst im Buchgeschäft tätig waren, sei 1905 dazu aufgerufen worden, ihnen zumindest die Führungspositionen zu verwehren, da es einem Mann nicht zuzumuten sei, unter ihnen zu arbeiten, erzählt George, für die sich bis heute immer noch viel zu wenig verbessert hat. „Es geht nicht um Schuld, nicht um Frauen gegen Männer“, betont sie.

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