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Buchmesse - Feminismus Feminismus erzählen, nicht erklären

Meg Wolitzer beschreibt bei einer Begegnung auf der Frankfurter Buchmesse, was sie sich für die Zukunft der Verlagsbranche wünscht und wie real ihr Roman „Das weibliche Prinzip“ ist.

Feminismus erzählen, nicht erklären
Meg Wolitzer möchte Feminismus nicht erklären, vielmehr möchte sie erzählende Romane für ein diverses Publikum schreiben. Foto: Isabella Nadobny

Dass Frauen oft als zweitrangig angesehen und so behandelt werden, erkannte Simone de Beauvoir vor mehr als 50 Jahren und schrieb in ihrem Buch Das andere Geschlecht“ darüber, auf Englisch trägt es den Titel „The Second Sex“. Männer wären das Maß aller Dinge, der Standard. Frauen hingegen seien das Andere, eben nur halb so wichtig. Was die französische Schriftstellerin und Philosophin als gesellschaftliches Phänomen erkannte, lässt sich auch auf kleinere Kreise anwenden.

In dem Essay „The Second Shelf“ von 2012 überträgt Meg Wolitzer diese Erkenntnis auf die Verlagsbranche. In mehreren Absätzen erklärt sie, wenn Männer Bücher schrieben, würden diese mit Qualität gleichgesetzt werden, sie erzählten immer etwas Wichtiges. Frauen hingegen schrieben nette Geschichten für andere Frauen, irgendwas mit viel Emotionen und Liebe, das man nicht ernst nehmen könne oder müsse. Diese Unterschiede wären auch beim Cover deutlich zu sehen. Die einen sind mit großen Lettern versehen, um die Aussagekraft des Buchs zu untermalen. Die anderen zeigen eine Frau vor einer malerischen Kulisse – das soll gezielt nur Leserinnen ansprechen.

Im April dieses Jahres ist der neue Roman der amerikanischen Schriftstellerin erschienen, der beide Geschlechter gleichermaßen anspricht: „The Female Persuasion.“  Das Buch ist seit Juli auch auf Deutsch mit dem Titel „Das weibliche Prinzip“ erhältlich. Das Cover ist farbenfroh und grafisch, es soll eher geschlechtsneutral sein. In einem Interview auf der Frankfurter Buchmesse erzählt sie, dass sie auch positives Feedback von Männern erhalten habe, die ihr Buch gelesen haben. Ich schreibe nicht speziell für Männer oder Frauen, ich möchte interessierte Leser*innen. Wenn ich Bücher schreibe, die ich selbst in den Regalen sehen möchte, wünsche ich mir einfach eine diverse Leserschaft.

Obwohl sie insgesamt vier Jahre an „Das weibliche Prinzip“ gearbeitet habe, also noch vor der #MeToo-Bewegung damit begonnen hat, sind die Themen der Protagonist*innen aktuell. Die Hauptperson Greer Kadetsky wird auf einer Collegeparty von einem Studenten sexuell belästigt, woraufhin sie sich mit zwei Freundinnen dafür stark macht, dass er eine Strafe bekommt. Eines Abends hält die Gründerin des feministischen Magazins „Bloomer“, Faith Frank, eine Rede am College und zieht Greer in ihren Bann. Sie sprechen über die Erfahrung der sexuellen Belästigung und arbeiten Jahre später sogar einmal zusammen.

Doch die Geschichte wendet sich. Und so bleibt nicht Greer die Hauptheldin des Buchs, sondern vielmehr ihr Freund Cory Pinto, der sich deutlich feministischer verhält als sie. Ich habe diesen Verlauf nicht geplant, vielmehr habe ich die Charaktere des Buchs selbst erst beim Schreiben kennengelernt und sie dann in diese Richtung geführt. Viele Leser*innen mögen enttäuscht darüber sein, dass nicht die Frau die Heldin des Buchs ist, doch es ist wie im echten Leben, dass man gelegentlich Enttäuschungen erfährt. Auf die Frage, was die Leser*innen von Greer lernen können, entgegnet sie, wenn man eine Person zu sehr bewundere und auf ein Podest hebe, könne man auch leichter enttäuscht werden. Umgekehrt könne sich viel ändern, wenn eine Person etwas in einem sieht und an einen glaubt.

In diesem Roman geht es nicht darum, Feminismus zu erklären. Es geht darum, dass die Personen, denen du begegnest, dich verändern können., erklärt die Schriftstellerin. Durch die lockere Erzählform und die realistische Geschichte ist die Thematik zugänglich. Alltägliche Situationen und zwischenmenschliche Konflikte tragen die Geschichte, obwohl alles rein fiktiv ist. Alle Orte werden durch Details untermalt, die Meg Wolitzer bewusste gewählt habe. Es sind Orte wie Manila oder das College, die sie selbst besucht hat und sich noch genau daran erinnert, wodurch die Situationen greifbarer erscheinen.

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