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Buchmesse Die Schlüsseljagd

Auch Buchmessenbesucher müssen mal schlafen. Doch was ist, wenn die Vermieterin mit dem Schlüssel ein Versteckspiel spielt? Eine nächtliche Odyssee

Endlich! Der Schlüssel zur Wohnung

Zimmer wachsen während der Frankfurter Buchmesse nicht auf Bäumen. Deshalb fühlt sich unseres, seit wir es haben, wie der schönste Palast an. Aber erstmal versuchen wir am Hauptbahnhof nicht die Nerven zu verlieren. Seit vier Stunden probieren wir an den Schlüssel zu unserem Apartment zu kommen.

Bezahlt haben wir im Voraus und schon alles probiert. Mehrfach bei der Vermieterin angerufen, sie geht nicht ran. Zumindest kommuniziert sie über Whats-App mit uns. Darüber haben wir nun schon den vierten Treffpunkt verabredet, für den wir wieder kreuz und quer durch die Stadt geirrt sind. Eine Schnitzel-Schlüsseljagd. Wird die Vermieterin dieses Mal auftauchen?

In ihrer letzten Nachricht hat sie geschrieben, sie sei gleich da. Fünf Minuten später, zehn Minuten, eine halbe Stunde... Endlich haben wir sie am Apparat, reden mit Engelszungen auf sie ein, nur äußerlich verfärben sich unsere Gesichter in ein wütendes Rot. Sie verspricht: Eine Freundin soll gleich mit dem Schlüssel da sein. Wirklich?! Wir überlegen, welche Alternative es gibt. Es sieht nicht gut aus.

D. schlägt vor, die ganze Nacht durch Frankfurt zu spazieren und so die Stadt kennenzulernen. Ich schlage vor, bei einem Cousin zu schlafen, mit dem ich seit zehn Jahren keinen Kontakt habe. „Bei deinem Friseur?“, fragt D. ungläubig. Die Strapazen sind ihm zu Kopf gestiegen. J. hat es sich derweil in der Bahnhofshalle gemütlich gemacht und schmökert in einem Buch über Spielsucht.

Treppenhaus hoch - Treppenhaus runter

Dann - fünf Stunden später - halte ich den kostbaren Schaaatz endlich in den Händen und muss mich gegen den Gedanken wehren, die anderen irgendwo loszuwerden, damit ich es mir so richtig schön gemütlich machen kann. Tue ich natürlich nicht. In der Vorstadt angekommen, passt zumindest der Haustürschlüssel. Doch drei Stockwerke und unzählige Wohnungstüren später – über das Mietportal kennen wir nur den Nicknamen unserer Vermieterin –, schleppen wir die Koffer voller Bücher das enge Treppenhaus wieder herunter.

Unten atmen wir tief durch! Das Geld wird man doch irgendwie zurückbekommen, da muss es doch rechtliche Möglichkeiten geben?! Als Beine und Finger nicht mehr zittern, probieren wir es noch einmal. Wie durch Zauberhand geht eine Tür im ersten Stock auf. Puh, Glück gehabt.

Dieser Beitrag ist entstanden im Rahmen des Buchmessen-Projekts „Unter Dreißig“ mit Kulturjournalismus-Studierenden der Universität der Künste Berlin.

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