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Buchmesse – Begegnung Schreibend überleben

„Mit den Augen von Inana“ ist die erste Anthologie, die ausschließlich von irakischen Autorinnen verfasst wurde.

Drei der Autorinnen sind zur Lesung der Textsammlung nach Frankfurt gereist Foto: Katharina Rustler

Sich vorzustellen in einem Regime zu leben, in dem Menschen, die sich dagegen auflehnen, erhängt werden, ist zumindest hier in Deutschland schwierig. Sich vorzustellen, dass die über solche Gräueltaten berichtenden Geschichten verboten sind und deren Veröffentlichung ebenfalls mit dem Tod bestraft wird, ist ebenfalls nicht einfach. Sich hingegen vorzustellen, als eine von vielen Schriftstellerinnen und Lyrikerinnen in einem Land zu leben, in dem es bisher noch nie eine Sammlung von Texten weiblicher Autoren gab, ist fast unmöglich.

„Mit den Augen von Inana“ ist die erste Anthologie irakischer Autorinnen, die nun im Verlag Hans Schiler auf Deutsch erschienen ist. Das Projekt begann 2010 mit einer Schreibwerkstatt in Bagdad und sammelte in der Folge Stimmen interessierter Frauen aus dem gesamten Land. Die Herausgeberin Birgit Svensson, deutsche Journalistin und langjährige Korrespondentin im Irak, sammelte Kurzprosa und Lyrik von bereits etablierten sowie noch unbekannten Autorinnen. Die Texte, die in Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut entstanden, zeichnen ein Bild des Landes aus weiblicher Sicht. Schmerz, Verlust und Liebe spielen darin eine große Rolle.

   

„Das Projekt Inana des Goethe Instituts hat Licht auf uns schreibende Frauen aus dem Irak geworfen und uns somit endlich sichtbar gemacht“, erzählt die Dichterin Samarkand al-Djabiri. Sie ist eine der drei Autorinnen von „Inana“, die zur Buchmesse nach Frankfurt gekommen sind. Ihr Gedicht „Märtyrertod“ erzählt aus Sicht einer Tochter, deren Vater hingerichtet wurde, weil er sich gegen das Regime auflehnte. Es ist autobiografisch. Im Text wendet sie sich gegen das, was sie gelernt hat: dass Worte ohnmächtig sind. Unter Saddam Hussein hätte sie solch eine Literatur niemals veröffentlichen können, erklärt sie. Ohne Hilfe können sie als Frauen im Irak nichts veröffentlichen, sie würden aus dem kulturellen Geschehen ausgeschlossen. „In mir ist so viel Trauer und das macht mich wütend. Ich kann nicht einfach zusehen, deswegen schreibe ich. Wir werden weitermachen und nicht aufhören“, so al-Djabiri. Im nächsten Jahr soll der zweite Teil von „Inana“ erscheinen. 

Dieser Beitrag ist entstanden im Rahmen des Buchmessen-Projekts „Unter Dreißig“ mit Kulturjournalismus-Studierenden der Universität der Künste Berlin.

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