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Buchmesse Auf Wiedersehen

Die Frankfurter Buchmesse 2017 ist Geschichte. Wir haben ein wenig zur Erzählung darüber beigetragen und verabschieden uns bis zum nächsten Jahr.

Bis zum nächsten Jahr! Foto: Annett Gröschner

Eine Kindheitserinnerung: Als ich acht Jahre alt war, starb mein Hamster Benni. Offenbar hatte er sich in seinem Laufrad das Genick gebrochen. Ich wusste bis dahin nicht, dass das geht. Von furchtbaren Schluchzern geschüttelt, vergrub ich ihn unter einem Strauch Forsythien in unserem Berliner Hinterhof. Einen Tag später – ich hatte meiner Freundin Sandra in der Schule von dem Schlag berichtet – wurde ich durch lautes Johlen und Rufen an das Fenster meines Kinderzimmers gelockt. Im Hof sah ich zu meiner Bestürzung Sandra und ein paar Jungs aus meiner Klasse, die sich mit einem Kinderspaten über das Hamstergrab hermachten, den kleinen verknorkelten und starr gewordenen Benni exhumierten und ihn sich dann kreischend gegenseitig zuwarfen. Reflexartig zog ich die Vorhänge zu, griff zu einem meiner Bücher und fing an zu lesen.

Bücher bieten nicht nur einen unvergleichlichen Trost, wenn die Welt vor dem Fenster beschlossen hat, einen gemeinen Tag einzulegen. Wer fünf Tage im unablässigen Strom der 286.000 Besucher der diesjährigen Buchmesse geschwommen ist, ist sich sicher, dass die Geschichte der Bücher noch lange nicht zu Ende ist. Der Eindruck der in Geschichten vertieften Leserinnen und Leser sowie der beachtlichen Zahl von Kindern in den vielen Leseecken, Sofas und Sesseln der Verlagsstände, das heimelige Gefühl der schieren Präsenz von Büchern, in hohen Türmen aufgestapelt und auch die kuriose Hysterie der Besucher, die sich am Verkaufssonntag mit ihren zum Bersten gefüllten Tüten von Verkaufstisch zu Verkaufstisch drängen und dabei allen Ernstes so tun, als gäbe es außerhalb der Buchmesse sonst keine Möglichkeit, Bücher käuflich zu erwerben – all das hat mich tatsächlich mit einem munteren Optimismus erfüllt.

Eine Stimme in deinem Ohr

Geschichten zu erzählen, das hat auch Margaret Atwood anlässlich ihrer Entgegennahme des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels gesagt, sei das älteste von Menschen entwickelte Werkzeug zur Übermittlung von Erfahrung, was letztendlich nichts anderes heißt, als dass wir etwas, was immer das auch sei, aus Geschichten lernen können. „Ein Buch“, sagt Atwood, „ist eine Stimme in deinem Ohr; die Botschaft ist – während du sie liest – für dich allein bestimmt. Ein Buch zu lesen ist sicherlich die denkbar intimste Erfahrung mit der Gedankenwelt eines anderen Menschen.“

In diesem Sinne, liebe Leserin und lieber Leser, möchten wir sagen: Für Sie allein waren unsere Texte auf dem „Unter Dreißig“-Blog bestimmt, auf dem wir über diese schöne und überwältigende Frankfurter Buchmesse geschrieben haben. Nun fahren wir wieder nach Berlin zurück, Abfahrt von Gleis 9 ¾.      

Dieser Beitrag ist entstanden im Rahmen des Buchmessen-Projekts „Unter Dreißig“ mit Kulturjournalismus-Studierenden der Universität der Künste Berlin.

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