Lade Inhalte...

Buchmesse Aller Anfang ist schwer

Schon die Vorbereitungszeit für die Buchmesse ist so stressig schön wie die Messe selbst. Stapel von Rezensionsexemplaren würde es zu lesen geben. Doch was macht man, wenn man nur ein PDF bekommt?

Print lebt. Eine Austellungswand bei der Buchmesse

Hohe Stahlträger, die schmale Schatten auf Türme von Büchern werfen. Auf ihre bunten, schön designten Buchdeckel mit goldenen Lettern geschmückt, der Geruch von frischbedrucktem Papier liegt in der Luft. Hinter abgewetzten Bauhaus-Tischen würden intellektuelle AutorInnen sitzen und mit theatralisch-rauchigen Stimmen aus ihren Werken lesen. Mit runden Brillen, zerzaustem Haar und am besten noch mit einem Gläschen Rotwein in der Hand. Mit Genuss würden wir lauschen und danach gemütlich weiterschlendern.

Ja, so haben wir sie uns vorgestellt, die Frankfurter Buchmesse. Manche würden es vielleicht romantisch - andere eher naiv nennen. Schon bevor wir Berlin überhaupt verlassen hatten, ahnten wir bereits Schlimmes. 

Denn erst einmal erwartete uns Folgendes: Ein 524-Seiten-langes PDF –  das gigantische Programm der Messe wartete darauf, von uns durchgescrollt und akribisch studiert zu werden. Packende Themen mussten entdeckt, exotische und weniger exotische Namen gegoogelt und Klappentexte im Internet überflogen werden. 

Literatur des Gastlandes verschlafen

Spätestens nach den ersten 100 Seiten kam in uns das Gefühl auf, den Grossteil der zeitgenössischen Literatur aus dem frankophonen Raum verschlafen zu haben. Um dem Gefühl des Unbelesenseins schnell zu entgehen, bestellten wir Bücher. Einen ganzen Haufen Bücher. Dieses der neuen, wild gefeierten Autorin so und so oder jenes vom Traditionsverlag dies und das.

Mit einer klitzekleinen Portion journalistischer Arroganz (die Verlage sind ja eh total heiss darauf, dass wir über ihre Autoren schreiben), gingen wir davon aus, dass die Bücher uns schon rechtzeitig erreichen würden, im Notfall eben per Kurier. Stattdessen kamen nervtötende PDFs per Mail, eine wahre Qual für jeden Buchliebhaber, der alle Kindles dieser Welt am liebsten in die Hölle schicken würde.

Wo bleibt mein Buch?

Wenn uns doch mal ein physisches Buch ins Haus flatterte, passierte es schonmal, dass beim Öffnen des Kartons, der Buchtitel der verschickten Fracht nicht den Erwartungen entsprach. Panikmoment! Welches Buch war das noch? Dieser Titel sagt mir nichts, davon hab ich noch nie gehört. Wo bleibt das Buch welches ich eigentlich brauche? 

Beim gestressten Durchscrollen der E-Mailkorrespondenz mit der Pressestelle des Verlags wurde plötzlich klar: hängen geblieben war der Name der Debatte, nicht der des Buches. Alles gut, jetzt aber zur Sache und sich der Lektüre widmen. Obwohl „widmen“ hier eher als Querlesen zu verstehen ist, fürs Abtauchen in ferne Romanwelten blieb die Zeit auch nicht dem schnellen Leser. Hauptsache Protagonisten, Orte des Geschehens und dramaturgische Schlüsselmomente blieben hängen. Es warteten schliesslich noch fünf weitere Werke auf dem Nachttisch.

Mit von Geschichten gefüllten Köpfen machen wir uns jetzt gespannt auf die Suche nach den Autoren. Ob zerzaust mit Rotwein oder kosmopolitisch am Kindle, wir sind gespannt auf die Begegnungen.

Dieser Beitrag ist entstanden im Rahmen des Buchmessen-Projekts „Unter Dreißig“ mit Kulturjournalismus-Studierenden der Universität der Künste Berlin.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
  • Nutzungsbasierte Onlinewerbung
  • Mediadaten
  • Wir über uns
  • Impressum