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Buchmesse Abrüsten bitte

Es mag an meiner Militärvergangenheit liegen. 18 Monate habe ich in Kriegs- und Krisengebieten verbracht. Die Waffe war stets griffbereit zu halten. Das bestimmt meinen Blick, wenn ich Polizist_innen begegne, die mit umgehängter Maschinenpistole eine trügerische Sicherheit vermitteln.

Polizist mit MP
Polizist mit Maschinenpistole auf der Frankfurter Buchmesse Foto: Daniel Lücking

Trügerisch, weil eine Veranstaltung von der Größe der Frankfurter Buchmesse nicht durch Sicherheitskontrollen und ein paar Maschinenpistolen abzusichern ist.

Dass das kein Staatsgeheimnis ist, bemerken die Besucher_innen auf der Buchmesse schnell. Ein paar Polizist_innen patrouillieren mit Schlagstöcken – ein paar Maschinenpistolen für das Polizeipersonal am Eingang. Ein Feigenblatt, gerade sichtbar genug um zu suggerieren: "Hier wird geschützt." Die Frage ist nur, wer.

Kommt es zu einer Panik oder einem Anschlag, dann sorgt allein die Masse an Menschen dafür, dass Polizist_innen quasi nicht mehr handlungsfähig sind. Sollen zusätzlich zu Panik und Flucht noch Polizeikugeln durch die Gegend fliegen? Und auf wen überhaupt?

Jeder der meint, wirklich wichtig zu sein (Volker Kauder), bringt lieber sein eigenes Sicherheitspersonal mit. Wer unbelästigt durch die Menge kommen will und sich für wichtig hält, dann eben auch. Umgeben von Bodyguards bahnt sich Harald Glööckler den Weg durch die Gänge. Oder war es am Ende nur eine echt professionelle Cosplaygruppe, die ihren Spaß hatte? In der Enge des Besuchertages ist das kaum festzustellen.

Ein langjähriger Besucher der Buchmesse, es ist, wie er sagt, seine 23., steht an einem Morgen hinter mir in der Schlange für die Taschenkontrolle. "Früher war das ja immer nur die Halle der Amerikaner, wo man so einen Aufwand betrieben hat. Da ging dann halt kaum einer hin", sagt er. Wir dürfen gespannt sein, wie es im nächsten Jahr aussehen wird.

Dieser Beitrag ist entstanden im Rahmen des Buchmessen-Projekts „Unter Dreißig“ mit Kulturjournalismus-Studierenden der Universität der Künste Berlin.

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