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Ausstellung Kurzweilig schön

Anlässlich der Buchmesse stellt der Frankfurter Kunstverein basis e.V. unter dem Titel „The Green Light“ erstmalig im deutschsprachigen Raum Werke der französischen Videokünstlerin Lola Gonzàlez aus. Unsere Autorin sieht nicht mehr als ansehnliche Bilder

Ausschnitt aus dem Film "Les Anges" von Lola Gonzàlez. Foto: Lola Gonzàlez

„An einer Straßenecke zu stehen und auf niemanden zu warten, das ist Power.“ Das hat der Beat-Poet Gregory Corso gesagt. Lola Gonzàlez scheint diesen Spruch verinnerlicht zu haben, wenngleich die französische Videokünstlerin ihre Figuren nicht an einer Straßenecke herumstehen lässt, sondern in einem beliebigen Landschaftspanorama. Dieses, in jedem ihrer ausgestellten Werke vorkommende und meist kollektive Stehen und Glotzen ist es, was einem nachhaltig in Erinnerung bleibt nach einem Besuch ihrer Ausstellung „The Green Light“ in den Räumen des Frankfurter Kunstvereins basis e.V.

Dabei gibt es eigentlich schon mehr zu bemerken. Die fast gänzlich fehlenden Dialoge zum Beispiel, und die stattdessen verwendete körperliche Kommunikation zwischen den gefilmten Personen, die miteinander tanzen oder sich tief in die Augen blicken. Im Wortüberfluss der modernen Lebenswelt demonstrieren Gonzàlez' Werke, dass es noch andere Formen der zwischenmenschlichen Kommunikation gibt, als immer alles auszuplappern, und diese Nachricht verpackt sie überzeugend und schön, in zarten Farben. Die Soundkulisse besteht fast nur aus Klängen der Natur, manches Meeresrauschen wird durch ruhige Synthie-Klänge ergänzt, und manchmal durch choralen Gesang der Darsteller.

Jugendkulturfixierte Traumsequenzen

Die 1988 in Angoulême geborene Lola Gonzàlez verwendet als Schauspieler für ihre Videos ausschließlich ihre eigenen Freunde, und das ist die eigentliche Problematik. Diese Freunde sind nämlich wie sie alle jung, und die meisten auch noch ausgesprochen schön. Wenn schlanke Männer mit reiner Haut, Dreitagebart, starken, dunklen Locken und schweren Stiefeln gemeinsam mit ungeschminkten, elfenhaften Blondinen vor einem Sonnenuntergang einen Berg hochkraxeln, dann fühlt man sich im fiktiven Dialog mit der Künstlerin doch sehr auf seine eigene innere Naivität beschränkt, wie man es sonst nur vom Betrachten eines Covers der Zeitschrift NEON gewöhnt ist. Damit passen Gonzàlez' Videos zwar perfekt in jene Generation, die mit dem VW-Bus um die Welt kurvt und sich dabei durch Instagram-Selfies finanziert, aber fraglich bleibt, ob man als Kreativschaffender zu einer solchen Verwirtschaftlichung und Uniformisierung von Kunstwerken beitragen sollte. Die jeweils etwa viertelstündigen Kurzfilme sind konzipiert wie jugendkulturfixierte Traumsequenzen, als Locations dienen großzügige Landhäuser und malerische Gebirgs- und Strandlandschaften. Man sieht sich die Videos gerne an, aber erleben kann man sie nicht.

"The Green Light" läuft noch bis zum 12.11.2017 in der basis e.V., Gutleutstr. 8-12, 60329 Frankfurt am Main. Die Ausstellung kostet keinen Eintritt.

Dieser Beitrag ist entstanden im Rahmen des Buchmessen-Projekts „Unter Dreißig“ mit Kulturjournalismus-Studierenden der Universität der Künste Berlin.

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