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Fariba Vafi „Kleine Freiräume sind möglich“

LiBeratur-Preisträgerin Fariba Vafi über Frauenleben im Iran.

Fariba Vafi
Fariba Vafi. Foto: Nashr-e Markaz Publ.

Frau Vafi, Tarlan, die Hauptfigur in Ihrem ursprünglich 2006 erschienenem Roman, will Schriftstellerin werden und lernen, Schreibmaschine zu schreiben. Um vom Vater die Erlaubnis zu erzwingen, tritt sie in einen Hungerstreik. Der Versuch scheitert. Schließlich entscheidet sie sich, Polizistin zu werden. Warum geht sie diesen so gegensätzlich wirkenden Weg?
Tarlan lebt mitten in einer strengen Welt wie in einem Gefängnis. Darum ergreift sie die nächste Gelegenheit, um fortzukommen. Sie ist eine groß gewachsene Frau und geeignet, Polizistin zu werden. Ohne tiefer nachzudenken geht sie diesen Weg. 

Hätte sie als Autorin überhaupt eine Chance gehabt? Wie hat sich seit den ersten Jahren der Islamischen Revolution die Frauenliteratur entwickelt?
Anfangs gab es nur vier oder fünf bekannte Schriftstellerinnen. Nachdem Präsident Khatami 1997 an die Regierung gekommen war, gab es eine Art Frühlingsstimmung und viel mehr Freiheit. Plötzlich tauchten Frauen mit eigenen Texten auf. Sie hatten schon als Autorinnen gelebt, jetzt erst konnten sie ihre Werke in Zeitungen publizieren. Bis heute sind Frauen in Film, Literatur und Kunst stark präsent. 

Tarlan zieht es an Orte, die karg und unwirtlich sind. Im Elternhaus zieht sie sich oft in den Keller zurück, wo Kakerlaken und Skorpione hausen. Warum?
Frauen hatten keine offenen Räume, die sie aufsuchen konnten. Wenn Tarlan eine Alternative gehabt hätte, wäre sie an einen angenehmeren Ort gegangen. Erst jetzt haben wir zum Beispiel Parkanlagen, die Frauen zugänglich sind. Die ersten Jahre der Revolution waren unglaublich streng und brutal.

Im Buch heißt es: „Vielleicht bin ich an diesem rauen, traumleeren Ort, weil meine Träume verschwunden sind.“ War diese Stimmung in den ersten Revolutionsjahren typisch? Hat sich dies jetzt geändert?
Auf jeden Fall. Die Gesellschaft hat sich innerhalb der letzten dreißig Jahre erheblich verändert, sie ist weicher geworden. Ob das auch für die Polizeiakademie gilt, weiß ich allerdings nicht. 

Tarlan zieht es in ihren freien Stunden zurück zur traditionellen Welt. Sie geht mit ihrem Bruder durch die Bazare, während andere Polizeischülerinnen tanzen gehen. Gab es damals solche Ausweichmöglichkeiten und warum haben die Frauen sie aufgesucht? 
Während der Ausbildung leben 150 Frauen  in einer Schlafhalle. Alle haben die gleiche Uniform an und müssen auf dem Hof im Gleichschritt gehen, alle sehen gleich aus. Tarlan sucht den Basar auf, damit sie etwas anderes sieht. Versteckt gab es außerdem Räume, in die sich junge Frauen und Männer zurückzogen, um zu tanzen oder Alkohol zu trinken. Heute gibt es solche Orte viel mehr, sie sind allerdings nicht so offen wie hier.

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