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Buchmesse Frankfurt Starke Frau

Die französische Schriftstellerin und Prix-Goncourt-Preisträgerin Marie NDiaye beehrt den Stand der FR.

Frankfurter Buchmesse
Marie NDiaye, Anna Bodenez, Sabine Hamacher (v. l.). . Foto: Michael Schick

Ihrem Roman, mit dem sie 2009 als erste schwarze Frau den Prix Goncourt gewann, hat sie schon in den Titel geschrieben, um wen es geht: „Drei starke Frauen“. Aber auch Marie NDiayes neuester Roman „Die Chefin“ dreht sich um eine starke Frauenfigur. „Es geht fast immer um Frauen in ihren Büchern“, führt FR-Redakteurin Sabine Hamacher ihre französische Gesprächspartnerin folgerichtig ein. „Für mich ist Marie NDiaye eine der faszinierendsten französischen Schriftstellerinnen.“

Eine der wichtigsten der Gegenwart noch dazu. Umso bedauerlicher ist es, das am Freitagmorgen nur eine Handvoll Menschen den Weg zum Buchmessestand der Frankfurter Rundschau gefunden hat, um dem kundigen, nah an Person und Werk NDiayes entlang geführten Gespräch zu lauschen, das Anna Bodenez vom Suhrkamp-Verlag ins Deutsche übersetzt.

Neun Jahre in Berlin gelebt

Dabei versteht Marie NDiaye durchaus Deutsch – neun Jahre lang hat sie mit ihrer Familie in Berlin gelebt; hatte Frankreich nach der Wahl Nicolas Sarkozys zum Staatspräsidenten einst den Rücken gekehrt. „Aber ich habe dort leider das Leben einer Ausländerin geführt“, bedauert sie. Gleichwohl nimmt sie auf Fragen Hamachers behutsame Vergleiche zwischen den zwei Nachbarländern vor. Erzählt von ihrem Erstaunen darüber, wie schwer in Deutschland Krippenplätze für Kleinkinder zu finden seien. „Mein Gefühl ist, das System in Frankreich macht es Frauen, die arbeiten gehen, deutlich leichter.“

Die Protagonistin von Marie NDiayes neuem Roman „Die Chefin“, hat es in ihrem Leben auch nicht leicht gehabt. Für ihre Rolle als Mutter hat sie sich „nie bewusst entschieden“, sagt NDiaye. Ihre Romanheldin sei getrieben von ihrer Ambition, zu kochen, das Kind, das sie zu lieben versucht, stört diese Ambition. „Sie ist eine Frau, die es schafft, ihren eigenen Willen in einer sehr männlichen Welt“ – der Haute-Cuisine-Gastronomie der 70er Jahre – „zu behaupten. Sie legt sich einen Panzer zu, erkocht sich einen Stern, kocht an gegen „die schwere, saucenlastige Küche dieser Zeit, eine Küche, die versucht, etwas zu verdecken, zu verbergen“.

„Sie ist eine sehr entschlossene Selfmade-Frau, die nie aufgibt“, sagt NDiaye über ihre Figur und betont doch, dass es nicht ihr Anliegen gewesen sei, ein feministisches Buch zu schreiben, auch wenn man es wohl als solches lesen könne. Inspiriert zu dieser Geschichte habe sie übrigens Eugénie Brazier, alias La Mère Brazier, die 1933 als erste Frau drei Michelin-Sterne erkochte. Noch so eine starke Frau.

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