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Gegenbuchmesse Für Themen abseits des Spektakels

Die Gegenbuchmasse präsentiert ein Panoptikum linker Verlage und Autoren.

11.10.2017 15:10

Der Kontrast könnte kaum größer sein. In den weiten, von Neonlicht erhellten Hallen der Messe Frankfurt wurde am heutigen Mittwoch die größte Bücherschau der Welt eröffnet. Besucherströme, große Bühnen, Autoren, Journalisten und Politiker, die um die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit buhlen. Kurz: fünf Tage Spektakel.

Dagegen nehmen sich die Dimensionen der Gegenbuchmasse geradezu mickrig aus. 24 Veranstaltungen, größtenteils Lesungen mit Autoren und Übersetzern, stehen auf dem Programm. Bei der Buchmesse ist das nicht einmal das Vormittagsprogramm am Eröffnungstag. Die Orte, an denen gelesen wird, sind nicht glamourös und wollen es auch nicht sein. Linke Zentren wie das Café Exzess in Bockenheim, kleine Buchläden und Büros von Nichtregierungsorganisationen. Wenn die Frankfurter Buchmesse so etwas wie das It-Girl der Bücherschauen ist, dann ist die Gegenbuchmasse ihre weniger prominente, weniger aufgetakelte Schwester - was ihren Wert nicht schmälert.

„Wir sind keine Gegenveranstaltung“, betont Adele Müsser vom Organisationskreis der Gegenbuchmasse. „Tatsächlich geht es nicht gegen die Messe, sondern gegen die Masse an Büchern.“ Müsser beschreibt damit das Konzept der Veranstaltungsreihe. Bücher aussuchen, die ansonsten im Spektakel untergehen würden – sofern sie überhaupt den Weg auf die Messe finden würden. So präsentiert die Gegenbuchmasse in ihrer 21. Ausgabe erneut in erster Linie Werke aus kleinen, meist linken Verlagen, von denen sich viele einen Auftritt auf der großen Bücherschau gar nicht leisten können.

Rund sechs Monate dauern die Vorbereitungen. Bücher sichten, Autoren kontaktieren, die bereit sind, für „Spritgeld“ nach Frankfurt zu kommen oder wegen der Buchmesse eh schon in der Stadt sind. Was auch in diesem Jahr dabei herausgekommen ist, ist ein Panoptikum der Themen, die die politische Linke derzeit umtreiben. Es geht um den Rechtsruck, die Situation in der Türkei, den Kampf der Kurden in Nordsyrien und vieles mehr. 

Und natürlich bleiben Kontroversen nicht aus. Die gehören zur Buchmesse – und zur Linken erst recht. Ursprünglich fand sich in der Liste der Veranstaltungen auch eine Lesung mit der ehemaligen Linken-Bundestagsabgeordneten Annette Groth. Kritiker werfen ihr aufgrund ihrer Teilnahme an der Gaza-Flotille 2010 und weil sie Gerüchte über angeblich von Israel ins Mittelmeer geleitete Giftstoffe verbreitete, Antisemitismus vor. Nach kurzer Diskussion wurde die Veranstaltung aus dem offiziellen Programm genommen. Groths Lesung aber findet dennoch statt – nur ohne den Segen der Gegenbuchmasse. 

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