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Gastland Von Norwegen lernen

Das Gastland der nächsten Buchmesse stellt sich vor und will liberale Werte vermitteln.

Buchmesse
„Wenn wir gegenseitig unsere Geschichten lesen“, sagte Trine Skei Grande, dann wisse man mehr übereinander, und die Toleranz wachse. Foto: Michael Schick

Es gibt einen wichtigen Grund für Juergen Boos, den Direktor der Frankfurter Buchmesse, warum Norwegen das Gastland im nächsten Jahr sein wird. Neben den norwegischen Autoren natürlich, deren Namen Boos am Donnerstag auf einer seitenlangen Liste mit zur Präsentation in den Frankfurt-Pavillon auf dem Messegelände mitgebracht hat. „Norwegen steht seit vielen Jahren auf Platz eins der Pressefreiheit“, sagte Boos. Es habe als viertes Land das Frauenwahlrecht eingeführt, sei ganz vorne mit dabei, den Gendergap zu schließen, überreiche den Friedensnobelpreis. „Wir können von Norwegen lernen“, sagte Boos. 

Trine Skei Grande, Norwegens Kulturministerin, will gerne Vorbild sein. „Es geht bei der Buchmesse nicht nur um eine Kulturveranstaltung, es ist Friedensarbeit.“ Sie sprach von einer wachsenden Polarisierung in der Welt, von wachsender Angst vor Fremden. „Wenn Angst Vorrang hat, bauen Menschen Mauern statt Brücken.“ Bei der Buchmesse schaue die Welt nächstes Jahr auf Norwegen. „Die Gelegenheit sollten wir uns nicht entgehen lassen, unsere Botschaft zu verbreiten: die Wichtigkeit liberaler Werte.“ 

Bestseller 2017 aus Norwegen

Die will Norwegen im kulturellen Dialog in Europa vermitteln. „Wenn wir gegenseitig unsere Geschichten lesen“, sagte Trine Skei Grande, dann wisse man mehr übereinander, und die Toleranz wachse. Und norwegische Literatur wird viel gelesen. Großen Erfolg hat etwa Maja Lunde mit „Die Geschichte der Bienen“ erlangt: In Deutschland war es das meistverkaufte Buch 2017. 

Seit mehr als zwei Jahrzehnten wächst das Interesse an der nordischen Literatur. „Alles fing in Frankfurt an“, sagte Halldór Guðmundsson, Projektmanager für den Ehrengastauftritt Norwegens. Damals, Anfang der 90er Jahre mit Jostein Gaarders „Sofies Welt“. Es wurde ein Bestseller. „Es war der Durchbruch“, sagte Guðmundsson. Und so hat Norwegian Literature Abroad (Nola) die Übersetzung von fünfmal mehr Büchern als noch zehn Jahre zuvor mitfinanziert. Mehr als 200 würden bis zur nächsten Buchmesse ins Deutsche übersetzt, sagte Nola-Direktorin Margit Walsø. „Wir wollen, dass die norwegische Literatur noch mehr an Bedeutung gewinnt.“

Auf der Buchmesse 2019 soll nicht nur Literatur präsentiert werden. Die Buchmesse sei seit 1948 ein Ort, an dem Debatten und Diskussionen im Namen der Meinungsfreiheit geführt werden, sagte Guðmundsson. Aber auch mit Kultur in allen ihren Erscheinungs- und Ausdrucksformen wolle man beim Ehrengastauftritt „davon erzählen, wer wir sind“, sagte Guðmundsson.

Und so wird Norwegen 2019 nicht nur Ehrengast bei der Frankfurter Buchmesse sein, sondern auch „Country of Focus“ bei den Internationalen Filmfestspielen Berlin und Partnerland bei der Messe Jazzahead in Bremen. In den Wochen vor und während der Buchmesse will Norwegen ein Kulturprogramm von bildender Kunst über Musik, Handwerk bis darstellende Kunst in Frankfurt bieten. Das Museum Angewandte Kunst wird sich zum Beispiel für drei bis vier Monate in ein „House of Norway“ verwandeln. 

Norwegens Motto für 2019: „Der Traum in uns“. Die Worte stammen aus einem Gedicht von Olav H. Hauge, das die Leser und Zuschauer des norwegischen Senders NRK im Jahr 2016 zum bedeutendsten norwegischen Gedicht aller Zeiten wählten. „Die Buchmesse dient dazu, Kontakte und Werte zu schaffen, sagte Trine Skei Grande. Sie verspreche, dass Norwegen die Aufgabe ernstnehmen werde. „Wir haben einen gemeinsamen Traum, den wir in uns tragen.“

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