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FR auf der Buchmesse Von Büchern, die besser nie erschienen wären

Am FR-Stand geht es um Nationalsozialismus in Geschichte und Gegenwart. Autor Tanjev Schultz warnt: „Es ist wirklich nicht vorbei“.

Veranstaltungen am FR-Stand (3.1 C48)11h
Franziska Schubert (Mitte) diskutiert mit Ece Kaya und Benjamin Ortmeyer von der Forschungsstelle NS-Pädagogik (v. l. n. r.) sowie Micha Brumlik und Nils Rübelmann von der Beltz-Verlegerfamilie. Foto: Rolf Oeser

Es sind schwere Themen, die am Donnerstag die Debatte am FR-Stand bestimmen. Es geht, kurz gesagt, um Geschichte und Gegenwart nationalsozialistischer Ideologie. Zunächst berichten Ece Kaya und Benjamin Ortmeyer von der Frankfurter Forschungsstelle NS-Pädagogik über ihre neue Studie zu Büchern des Beltz-Verlages aus der Zeit des Nationalsozialismus.

Zum 175.  Firmenjubiläum im Jahr 2016 sei eine Festschrift erschienen, die dieses Kapitel viel zu unkritisch beleuchtet habe, erklärt Nils Rübelmann von der Unternehmerfamilie des Verlages. Daher habe man die Wissenschaftler gebeten, genauer hinzusehen: „Es war klar, dass damals Bücher publiziert wurden, die besser nie erschienen wären.“

Rassenideologie in der Geschichte des Beltz-Verlags

Insgesamt habe man 178 Beltz-Publikationen aus der Zeit von 1933 bis 1944 gefunden, die „eine deutliche Positionierung im Sinne des NS-Regimes“ zeigten, berichtet Ece Kaya. In Schul- und Kinderbüchern seien Rassenideologie und Judenhass gezielt verbreitet worden, sagt Ortmeyer. Mit demagogischen Tricks sei darauf hingearbeitet worden, bereits Kinder zu indoktrinieren. Die Studie sei auch aktuell wichtig, weil heute wieder versucht werde, Menschen mittels nationalistischer Ideologie zu beeinflussen.

Auch der Erziehungswissenschaftler Micha Brumlik, der ebenfalls zum FR-Stand gekommen ist, betont die aktuelle Bedeutung der Beschäftigung mit der Pädagogik der Nazis: Heutige Rechtsextreme argumentierten zwar nicht mehr mit „Rassenkunde“, sondern mit der angeblichen „kulturellen Substanz von Völkern“, aber mit der AfD sei eine rechte Partei „in einer Art und Weise im Aufwind, wie ich mir das noch vor sechs bis sieben Jahren nicht hätte träumen lassen“. Es sei die Aufgabe der Pädagogik, Kinder gegen Indoktrination zu wappnen, mahnt Brumlik.

Tanjev Schultz über die NSU-Morde

Im Anschluss geht es um den „Nationalsozialismus von heute“, wie es Pitt von Bebenburg ausdrückt. Der FR-Redakteur spricht mit Tanjev Schultz, Professor für Journalismus an der Uni Mainz, über dessen neues Buch „NSU – der Terror von rechts und das Versagen des Staates“. Die Mordserie der Terrorgruppe „Nationalsozialistischer Untergrund“ (NSU) zeige „eine grausige Kontinuität“ rechten Terrors in Deutschland, die oft verdrängt werde, sagt Schultz. Man bekomme auch ein „verheerendes Bild von der Verfassung unserer Sicherheitsorgane“.

Polizei und Verfassungsschutz hätten im NSU-Komplex komplett versagt, die Geheimdienste anschließend auch noch die Aufklärung behindert. Die Beschäftigung mit dem NSU müsse unbedingt weitergehen, fordert Schultz, viele Fragen seien noch offen – und unter militanten Neonazis gelte der NSU heute schon wieder als Vorbild, als „Blaupause und Referenzgröße“. Schultz: „Es ist wirklich nicht vorbei.“

Francesca Cavallo über starke Vorbilder für Mädchen

Um ein ganz anderes Thema geht es nachmittags am FR-Stand. Politikredakteurin Elena Müller spricht mit Autorin Francesca Cavallo über die Frage, wie man Mädchen Mut machen kann, an die eigenen Träume zu glauben. Gemeinsam mit Elena Favilli hat Cavallo „Good Night Stories for Rebel Girls“ herausgebracht: ein Buch mit 100 Geschichten außergewöhnlicher Frauen.

„Die Bücher, die wir früher gelesen haben, hatten alle männliche Protagonisten“, erzählt Cavallo. Und habe es doch mal weibliche Figuren gegeben, hätten sie sich meist auf die männlichen verlassen. Favilli und Sie hätten sich gefragt, was sie machen könnten, damit die nächste Generation von Mädchen selbstbewusster aufwächst. Entstanden ist ein Buch über Aktivistinnen, Wissenschaftlerinnen oder Forscherinnen.

„Es geht darum, eine andere Art Vorbilder für Mädchen zu erschaffen, mit denen sie aufwachsen können“, sagt Cavallo. Und das scheint anzukommen: Anfang November erscheint der zweite Band.

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