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Buchvorstellung Gregor Gysi Zehn Sachen von drüben

Gregor Gysi erklärt seine Autobiografie „Ein Leben ist zu wenig“ witzig und wortreich.

Ãœberschrift
Gregor Gysi hatte schon mehrere Leben und schrieb ein Buch drüber. Foto: Rolf Oeser (Rolf Oeser)

Warnemünde, Köln, Frankfurt, Bremen, noch mal Frankfurt, Gregor Gysi ist dieser Tagen viel auf Achse, aber wenn er mal wo sitzt, der Vorredner der Linken, dann redet er ohne Punkt und Komma. Natürlich auch auf der Buchmesse, denn er hat eine Autobiografie veröffentlicht: „Ein Leben ist zu wenig“.

„Die Überschrift soll verwirren“, sagt er zum Einstieg, „sie soll glauben machen, dass ich mir mehr Leben wünsche, aber das ist so nicht richtig.“ Es gehe vielmehr darum, wie viele Leben er schon gelebt habe: eins als Student, eins als Anwalt in der DDR, in der BRD auch schon zwei. „Ich wurde ja erst zutiefst abgelehnt.“ Sich hier Anerkennung zu erarbeiten, sei schwer gewesen. „Aber wenn man das geschafft hat, lebt es sich hier viel leichter als in der DDR.“ Zum Beispiel hat er dauernd Besuch von sonstwo (USA, Belgien), „das war in Dessau undenkbar“.

Wie so vieles. Aber Diplomatie à la Gysi funktionierte dort auch schon und tut es noch immer. „Wenn du etwas erreichen willst, musst du die Gegenseite davon überzeugen, dass es in ihrem Interesse liegt“, lautet einer der vielen Lehrsätze des 69-Jährigen. Einem chinesischen Vize-minister etwa habe er gesagt: „Die DDR hat missliebige Leute eingesperrt und sie damit erst berühmt gemacht. Die Bundesrepublik sagt: Den kennt doch keiner, den lassen wir in Ruhe.“ Darauf der Chinese: „Wollen Sie damit sagen, wir hätten Ai Weiwei zum Weltstar gemacht?“

Die Leute lachen. Vier Fragen genügen, um Gregor Gysi eine Dreiviertelstunde auf Tour zu bringen, unterhaltsam wie in seinen besten Bundestagsreden und mit spannenden Betrachtungen zur Wendezeit. Gorbatschow habe die DDR-Bürger erlöst, weil ihnen plötzlich klar wurde, dass sie nur noch die SED als Gegner hatten. Und die deutsche Vereinigung sei in Wahrheit ein Anschluss gewesen: „Hätte man sich für den Osten interessiert, hätte man zehn Sachen aus der DDR in den gemeinsamen Staat übernommen.“ Das hätte dem Osten den Rücken gestärkt und dem Westen gezeigt: Wegen dieser zehn Sachen hat sich das Ganze doch gelohnt.

Einer jungen Frau, die fragt, was sie politisch für Deutschland tun könne, sagt er: sich intensiv mit politischen Zusammenhängen beschäftigen, darüber diskutieren, wieder rebellisch werden; die jungen Leute seien heute zu lieb (außer bei G20). Und die Alten? „Wir Alten sind verpflichtet, für die Jugend Europa zu retten.“ Weil nur sie noch wüssten, wie schlimm es früher war.

Gregor Gysi spricht heute um 11 Uhr am Stand der Süddeutschen Zeitung, Halle 3.0 / Stand C119.

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