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Buchmesse Rechte in der Sackgasse

1. UpdateZu den rechten Verlagen in der Halle 4 finden Besucher nur schwer einen Weg. Der neurechte Verleger Götz Kubitschek hat es doch wieder auf die Buchmesse geschafft.

Junge Freiheit
Am Stand der Jungen Freiheit ist der Andrang überschaubar. Foto: Michael Schick

Sie sind tatsächlich kaum zu finden. Noch einmal um die Ecke und noch einmal. Am Ende eines einsamen Gangs in der Halle 4 des Frankfurter Messegeländes leuchtet der blaue Schriftzug der „Jungen Freiheit“ (JF). Nur ganz wenige Besucher haben den Stand entdeckt. Das Konzept der Direktion der Frankfurter Buchmesse, die Handvoll rechter Verlage in diesem Jahr komplett zu isolieren, scheint aufzugehen. 

JF-Pressesprecher Bastian Behrens beklagt denn auch heftig das „Buchmessen-Ghetto“ für sein Blatt. In den mehr als 25 Jahren, in denen man auf der Frankfurter Buchmesse präsent sei, „hat es das noch nie gegeben, dass wir in eine Sackgasse gesteckt wurden“. In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch, behauptet Behrens, hätten Unbekannte den noch leeren JF-Stand beschädigt, man habe deshalb Strafanzeige erstattet. Zu sehen sind allerdings keine Schäden. 

Die JF bemüht sich eifrig um Abgrenzung zum Rechtsextremismus. Mit dem thüringischen AfD-Landesvorsitzenden Björn Höcke, der am Freitag auf der Messe erwartet wird, habe man nichts gemein: „Wir sind höchst Höcke-kritisch, wir grenzen uns zu 100 Prozent von ihm ab.“ Auch mit der völkischen „Identitären Bewegung“ „haben wir nichts zu tun“, behauptet der Pressesprecher. 

Die Wochenzeitung richtet sich dennoch auf Proteste in den nächsten Tagen ein. Für den morgigen Freitag, 12. Oktober, um 15 Uhr, hat sich der hessische AfD-Spitzenkandidat Rainer Rahn am Stand angekündigt.  Am Samstag, 13. Oktober, gibt sich der umstrittene Autor Thor Kunkel die Ehre. Kunkel, im Frankfurter Gallusviertel geboren und aufgewachsen, wurde 1999 mit dem eigenwilligen Roman „Das Schwarzlicht-Terrarium“ bekannt. Zuletzt war er an der Kampagne der AfD für die Bundestagswahl 2017 beratend beteiligt. 

Ein besonderer JF-Gast mit Frankfurt-Bezug ist auch Claus Wolfschlag. Der Politologe und Publizist war 2005 Mitarbeiter der Fraktion der rechtspopulistischen „Bürger für Frankfurt“ (BFF) im Römer. Als solcher hatte er damals den Antrag mitverfasst, in dem zum ersten Mal die Rekonstruktion von Häusern der historischen Frankfurter Altstadt gefordert wurde. Wolfschlag soll am Samstag am JF-Stand sprechen. 

Inzwischen tauchen immer mehr Fotografen und Journalisten in der Sackgasse der Rechten auf. Beim Manuscriptum-Verlag, dem Nachbarn der JF, steht das von Björn Höcke verfasste Buch „Nie zweimal in denselben Fluss“ in den Regalen. Stolz bekräftigen die Verlagsmitarbeiter, dass der Rechtsextremist am Freitagnachmittag um 17 Uhr sein Werk auf der Buchmesse vorstellen werde. 

In Halle 4.1 tut sich derweil Erstaunliches: Beim kleinen Stand D57, wenige Meter von der Tageszeitung „taz“ entfernt, sitzt der neurechte Verleger Götz Kubitschek und tippt eifrig auf seinem Laptop. Seine Frau Ellen Kositza, die mit Kubitschek und anderen Akteuren der Neuen Rechten im vergangenen Jahr für einigen Ärger auf der Buchmesse gesorgt hatte, ist ebenfalls vor Ort. Der bislang unbekannte Loci-Verlag aus Rheinau in Baden-Württemberg habe Kubitscheks Antaios-Verlag gekauft, heißt es in einer Pressemitteilung, die vor Ort verteilt wird. Kubitschek werde in Zukunft nur noch als „politischer Berater“ arbeiten. 

Er habe Kubitscheks Verlag übernommen, bestätigt auch Thomas Veigel, der am Stand D57 als Verleger von Loci auftritt. Eigentlich sei er in Rheinau als Zahnarzt tätig, habe aber im April seinen Verlag gegründet. Erste eigene Bücher seien bereits in Planung.

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