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Buchmesse in Frankfurt „Wir haben die besseren Geschichten“

Die Frankfurter Buchmesse eröffnet mit Debatten über das Urheberrecht und rechte Verlage. Mit dabei: Frankreichs Präsident Emmanuel Macron.

Buchmesse Frankfurt - Eröffnungsfeier
Kanzlerin Merkel und Frankreichs Präsident Macron eröffnen die Buchmesse. Foto: Arne Dedert (dpa)

Der größte Star des Abends war das Buch. Der andere, Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, kam kurz vor Schluss zur Wort. 

Als Erster warb Juergen Boos, der Direktor der Frankfurter Buchmesse, zur Eröffnung der weltgrößten Bücherschau am Dienstagabend für Meinungsfreiheit und Demokratie. Gegen Angst, Hass und Ausgrenzung in der Gesellschaft finde die Literatur die passenden Antworten: „Wir haben die besseren Geschichten.“ Die „Bücherfreunde und Geistesmenschen“ müssten sich für das friedliche Zusammenleben und die offene Gesellschaft einsetzen.

Daraufhin lief ein Einspieler, der Jugendliche aus Deutschland und Frankreich zeigte, die im Sommer in Frankfurt ein Camp zu Meinungsfreiheit und Demokratie besucht hatten. „Beeindruckend“, sagte Heinrich Riethmüller, Vorsteher des Börsenvereins des deutschen Buchhandels. In Zeiten, in denen „eine Partei mit deutlich rechtsextremen Zügen“ im Bundestag sitze, brauche die Gesellschaft den Buchhandel als Garant für Pluralität, Austausch, Meinungsfreiheit. „Unsere Güter sind die Säulen von Freiheit und Demokratie.“

Dann richtete er das Wort an Kanzlerin Angela Merkel (CDU). Das neue Gesetz zum Urheberrecht für die Wissenschaft „bedroht die Autoren, Verlage und Buchhändler“, sagte er. Ebenfalls an die Kanzlerin appellierte er, auf die Türkei, „das größte Gefängnis für Journalisten und Autoren weltweit“, einzuwirken. Die Türkei solle Inhaftierte freilassen. Auch der saudische Blogger Raif Badawi sei immer noch in Haft. Die türkische Autorin Asli Erdogan begrüßte er unter Applaus der Zuhörer als Gast auf der Buchmesse.

Zur Meinungsfreiheit gehöre auch, dass in diesem Jahr „Stimmen aus dem rechtsextremen Lager“ beim Stand des Antaios-Verlags auf der Buchmesse zu hören seien. „Diese Ideen müssen wir aushalten. Aber wir können dem Hass und der Ausgrenzung unsere starken Stimmen entgegensetzen“, sagte Riethmüller.

Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) kündigte hingegen an, am heutigen Mittwoch zum Stand von Antaios zu gehen, „und ihnen zu sagen, wer meiner Meinung nach auf die Buchmesse gehört, und wer nicht“. 

Dann folgte ein beklemmendes Stück, ein Text von Wajdi Mouawad, dem aus dem Libanon stammenden kanadischen Autor, über das Töten von muslimischen Kindern. Auf der Leinwand im Hintergrund bellte ein Mann, der aus Wut und Verzweiflung seine Stimme verloren hatte. „Danach fehlen mir fast die Worte“, sagte Emmanuel Macron, sprach dann aber doch lange über die deutsche-französische Freundschaft, die Förderung bilingualer Schulen. „Die Sprache der Nachbarn, muss unbedingt Priorität haben“, sagte er.

Ähnlich wie beim Erasmus-Programm für Studenten solle es einen „Bologna-Prozess“ für Schüler geben. Zuvor hatte Macron am Dienstagnachmittag an der Frankfurter Goethe-Universität eine „Koalition des guten Willens“ für Europa gefordert. Im Dialog mit dem französischen Sozialphilosophen Gilles Kepel und dem deutsch-französischen Politiker Daniel Cohn-Bendit sagte Macron: „Wir brauchen mehr Demokratie. Wir brauchen eine Debatte, einen Wegeplan.“

In den vergangenen Jahren habe Europa „ein wenig den Faden verloren“ und die Debatte zu sehr jenen überlassen, die nicht an das europäische Projekt glauben. Zur Eröffnung der Buchmesse sagte er: „Bücher sind die besten Waffen, die wir haben“.

Kanzlerin Merkel fügte hinzu: „Wer einmal wie ich in der DDR erlebt hat, dass man ein Buch nicht lesen darf, kämpft sein Leben lang dafür, dass jeder jedes Buch lesen darf.“ An Riethmüller gerichtet sagte Merkel: Das neue Urhebergesetz sei besser als – wie bisher – kein Gesetz gehabt zu haben. Wer Kunst schaffe, solle entlohnt werden. Diese Maxime gelte es an den digitalen Wandel anzupassen. 

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