Lade Inhalte...

Buchmesse in Frankfurt „Die Neuen Rechten haben sich deklassiert“

Nach den Tumulten vom Wochenende verteidigt Buchmesse-Direktor Juergen Boos seine Strategie.

Björn Höcke auf der Frankfurter Buchmesse
Der Thüringer AfD-Politiker Björn Höcke spricht auf dem Podium des rechtsgerichteten Antaios Verlags während der Frankfurter Buchmesse. Foto: Michael Schick

Sie finden, wir als Medien hätten uns stärker zurückhalten sollen?
Natürlich ist es legitim zu berichten. Aber ich glaube, dass ihnen zu viel Raum eingeräumt wurde. Wir haben Aussteller aus 150 Ländern auf der Buchmesse. Darunter befinden sich viele Programme, die problematisch sind. Wir haben auch immer wieder Demonstrationen. Ob es nun um China und Tibet, die Türkei oder den Iran geht. An unterschiedlichen Stellen gibt es Konflikte, die auch ausgetragen werden. Und die Neuen Rechten haben sich deutlich positioniert, aber auch deklassiert, wenn man sieht, was sie für ein Geschrei gemacht haben. Sie haben deutlich gezeigt, dass bei ihnen überhaupt kein Interesse besteht, einen Dialog zu führen.

Es gab ja schon vor den Tumulten am Samstag Zwischenfälle. Die Auslage des Antaios-Standes wurde beschädigt, der Stand des Manuscriptum-Verlags ausgeräumt. Was sagen Sie zu den Vorwürfen von Herrn Kubitschek, dass Ihr Verständnis von Meinungsfreiheit nicht so weit gehe, dass Sie diese auch wirklich schützen würden?
Was wirklich an den beiden Ständen passiert ist, wissen wir nicht. Darum kümmert sich die Polizei. Was tatsächlich passiert ist, und was ich sehr bedaure, ist der tätliche Angriff auf den Verleger des Trikont-Verlages aus dem Publikum am Stand der „Jungen Freiheit“.

Trotzdem fragt man sich, wie es möglich ist, dass ein Stand wie der von Manuscriptum über Nacht, wenn eigentlich niemand außer dem Personal Zugang zum Messegelände haben sollte, leergeräumt und beschädigt werden kann?
Das würde ich auch gerne wissen. Denn jede Hallenebene wird durch Nachtstreifen geschützt. Und die Hallen werden teilweise kameraüberwacht. Und auf den Aufzeichnungen ist nichts zu sehen. Das ist sehr irritierend.

Auf den Kamera-Aufnahmen ist nichts zu sehen?
Nein. Das muss in einem Zeitfenster um den Messeschluss herum passiert sein. Also gerade zwischen Messeschluss und dem Eintreffen der Nachtstreifen.

Jetzt gab es durchaus auch aus dem Umfeld des Antaios-Verlages selbst Interventionen und Störversuche bei Veranstaltungen anderer Teilnehmer. Wird das bei einem erneuten Auftritt für den Verlag irgendwelche Konsequenzen haben?
Wir werden die Vorfälle im Detail analysieren und die gebotenen Konsequenzen daraus ziehen.

Die Bildungsstätte Anne Frank fordert von der Buchmesseleitung für das kommende Jahr ein „Konzept gegen rechts“ zu entwickeln. Sehen Sie den Bedarf ein eigenes Konzept für den Umgang speziell mit diesen Positionen zu entwickeln?
Wir haben ein eigenes Konzept. Nehmen Sie nur unser Programm auf dem Weltempfang, der kulturpolitischen Bühne der Frankfurter Buchmesse. Diese Veranstaltungen kuratieren wir selbst, und sie bilden ein Gegengewicht zu dem Programm auf den anderen Bühnen. Wir werden unser Programm noch weiter ausbauen und kritischer gestalten.

Interview: Danijel Majic

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen