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Buchmesse in Frankfurt „Die Neuen Rechten haben sich deklassiert“

Nach den Tumulten vom Wochenende verteidigt Buchmesse-Direktor Juergen Boos seine Strategie.

Björn Höcke auf der Frankfurter Buchmesse
Der Thüringer AfD-Politiker Björn Höcke spricht auf dem Podium des rechtsgerichteten Antaios Verlags während der Frankfurter Buchmesse. Foto: Michael Schick

Juergen Boos (56) ist seit 2005 Direktor der Frankfurter Buchmesse. Der Verlagsbuchhändler hatte  Führungspositionen bei Droemer Knaur, Carl Hanser, John Wiley & Sons inne. Kontroversen musste Boos mehrfach mitmachen. 2009 wurde er kritisiert, als auf Druck aus Peking zwei chinesische Dissidenten zunächst von der Buchmesse ausgeladen wurden, später aber teilnehmen durften. 2015 ließ der Iran seinen Stand leeren, weil Salman Rushdie zur Eröffnung sprach.   

Herr Boos, am vergangenen Samstag konnte man eine denkwürdige Szene auf der Buchmesse beobachten: Als Sie nach Tumulten am Podium Wissenschaft und Bildung eine Veranstaltung des neurechten Antaios-Verlages für beendet erklären wollen, drückte Verleger Götz Kubitschek das Megafon, in das sie sprechen wollten, einfach weg und ließ Sie nicht zu Wort kommen. Das Publikum beschimpfte Sie und pfiff Sie aus. Hatten Sie in diesem Moment das Gefühl, nicht mehr Herr im eigenen Haus zu sein?
Nein, überhaupt nicht. Es war ja nicht Herr Kubitschek, der mich gehindert hat, sondern die schiere Lautstärke. Da war ja kein Gespräch, kein Diskurs mehr möglich. Ich konnte in diesem Moment weder mit dem Publikum noch mit Herrn Kubitschek kommunizieren. Ob das grundsätzlich überhaupt möglich ist, sei mal dahingestellt.

Manche Kritiker sagen jetzt: Wenn man sich einen rechtsradikalen Verlag ins Haus holt, bekommt man auch den entsprechenden Besuch …
Für uns war das eine Situation, mit der wir in dieser Intensität und dieser Lautstärke nicht gerechnet hatten. Aber natürlich war es in einem gewissen Maße absehbar, dass es zu solchen Situationen kommen kann, nachdem der Auftritt von Antaios über Wochen in den Medien thematisiert worden war.

Wenn Sie sagen, dass solche Situationen absehbar waren, hätte sich die Buchmesse dann nicht besser darauf vorbereiten müssen?
Wir waren auf solche Situationen vorbereitet. Es ist ja nicht so, als ob es zum ersten Mal Proteste auf der Frankfurter Buchmesse gab. Wir hatten zum selben Zeitpunkt, als es bei der Antaios-Veranstaltung zu den Tumulten kam, eine ähnliche Demonstration am Stand des Iran. Das hat die Presse nicht wahrgenommen. Vielleicht war sie nicht laut genug.

Sie meinen also, dass die Buchmesse-Leitung im Prinzip alles richtig gemacht hat?
Wir haben eine ganz klare Position und die haben wir vorher auch ganz eindeutig dargestellt. Wir müssen auch unliebsame Positionen zulassen, weil die Frankfurter Buchmesse seit 500 Jahren dafür steht.

Als Beobachter hatte ich den Eindruck, dass es speziell am Samstag, als Kubitschek zusammen mit dem Thüringer AfD-Fraktionschef Björn Höcke in einem großen Tross über die Buchmesse zog, auch um eine Machtdemonstration der Rechten ging …
Die Buchmesse ist natürlich auch immer ein Ort, an dem politische Ideen verbreitet werden. Dass die Positionen von Kubitschek und Höcke so viel Raum bekommen haben, dürfte in erster Linie mit dem Medieninteresse zu tun haben.

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