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Buchmesse Frankfurt Wie Georgien sich auf der Buchmesse präsentiert

Im Georgien-Pavillon bringen ein altes Alphabet, Videos, Fotos und 600 Bücher das Gastland näher. Am Mittwoch gibt es weitere Highlights auf der Frankfurter Buchmesse.

Frankfurter Buchmesse 2018
Der „Hub of reflections“ lockt mit Bildern der georgischen Hauptstadt Tiflis von berühmten Fotografen. Foto: peter-juelich.com

Es ist die magische Zahl 33, die dieses Universum strukturiert. Die 33 Buchstaben seines uralten Alphabets macht Georgien, der Ehrengast der Frankfurter Buchmesse, zum Zentrum seines Auftrittes. Nicht umsonst lautet dass Motto: „Georgia – made by charakters“ – wobei letzteres nicht nur für die Menschen steht, sondern auch die Buchstaben meint. Im Halbdunkel des Gastland-Pavillons (Forum, Ebene 1) finden sich deshalb 33 stilisierte hölzerne Lettern, die für einzelne Themen stehen. In den nächsten Tagen sollen sich 33 Türen öffnen, 33 Lieder erklingen, 33 Boote segeln und 33 Brote gebacken werden. 

 Das Land im Kaukasus mit seinen 3,8 Millionen Einwohnern drängt massiv nach Europa, möchte lieber heute als morgen Mitglied der Europäischen Union (EU) werden. Und steckt doch noch mitten in einem Umbruch: Zwei Provinzen sind seit zehn Jahren von russischen Truppen besetzt, die Zivilgesellschaft muss Rückschläge bei den Menschenrechten hinnehmen. Da soll die Präsenz in Frankfurt mit mehr als 70 Autorinnen und Autoren und zahlreichen Künstlern die Tür nach Europa weit öffnen. 

Medea Metreveli, Direktorin des Georgian National Book Centres, und George Bokhua, der künstlerische Leiter, führen durch die Welt der 33 hölzernen Buchstaben. Ein „Hub of Emotions“ versucht, dem Publikum die so fremde georgische Sprache näherzubringen. In Zeitlupe gleiten Videos von zeitgenössischen georgischen Autorinnen und Autoren am Betrachter vorbei, in verschiedenen Stadien der Emotion, von Freude bis Trauer. Dazu wurde die Sprache in die Klänge einer Melodie übersetzt: All das soll auf das ferne Idiom einstimmen. 

Ein „Hub of Reflections“ versucht die fotografische Annäherung. Berühmte Fotografen, die allesamt der Agentur Magnum angehörten, wie Henri Cartier-Bresson, Inge Morath oder Robert Capa haben in der Vergangenheit die georgische Hauptstadt Tiflis besucht – ihre Impressionen präsentiert der Pavillon. 

Mittendrin posiert ein junger Designer in einer Art Fantasieuniform mit stilisierter Pelzmütze: Modisch soll das der letzte Schrei bei jungen Landsleuten sein, wie der Creative Director behauptet. Er avanciert rasch zu einem Lieblingsmotiv der Fotografen. 

Und berichtet, dass es die Kulturszene in der Heimat nicht leicht habe. Erst im Mai hatte die Polizei den größten Club in der Hauptstadt Tiflis, das Bassiani, und das Café Gallery durchsucht. Es gab 60 Festnahmen. „Es ging um Drogen“, so der Kreative knapp. Der Club, der für die jungen Menschen sehr wichtig sei, habe zwar wieder geöffnet. Grundsätzlich versuche die Regierung aber, diesen Treffpunkt zu schließen. 

Ironischerweise wird der Haus-DJ des Bassiani im Ehrengast-Pavillon auflegen und Techno erklingen lassen. Das darf als eine Botschaft der Organisatoren verstanden werden. 
Aber auch das georgische Nationalballett Sukishvili wird dort zu sehen sein. Jeden Tag gibt es zum Ende der Messe eine Happy Hour. Natürlich kredenzt man den berühmten georgischen Wein – und landestypische kulinarische Spezialitäten. Es wird nämlich auch gekocht. Fünf georgische Top-Köchinnen und -Köche haben den Weg nach Frankfurt angetreten, darunter die gefeierte Tekuna Gachechiladze. 

Und wo bleibt die Literatur? Sie kommt nicht zu kurz. Schon „Books on Georgia“ versammelt in einer Bibliothek 600 Bänden von georgischen Autorinnen und Autoren sowie über das Land. 
Viele wichtige literarische Stimmen sind überdies in Frankfurt präsent. Etwa Aka Morchiladze, mit mehr als 30 Werken der vielleicht wichtigste Gegenwartsautor des Landes – der allerdings in London lebt. Nino Haratischwili, die in Hamburg zu Hause ist, wurde in den zurückliegenden Jahren zur literarischen Botschafterin Georgiens in Deutschland. Gerade erschienen ist von ihr der Roman „Die Katze und der General“ (Frankfurter Verlagsanstalt). Eine Aufarbeitung des ersten Tschetschenienkrieges. 

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