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Buchmesse Frankfurt Im Zeichen der Menschenrechte

Bei der Eröffnungspressekonferenz gibt es viel Beifall für die nigerianische Autorin und Feministin Chimamanda Ngozi Adichie.

Frankfurter Buchmesse 2018
Bücher locken noch immer, sagt der Börsenverein des Deutschen Buchhandels. Dieser Besucher im georgischen Ehrengast-Pavillon könnte als Beweis dienen. Foto: peter-juelich.com

Ihr Auftritt provoziert großen Beifall: Die nigerianische Schriftstellerin Chimamanda Ngozi Adichie hält eine kämpferische Rede für die Rechte von Frauen bei der Eröffnungspressekonferenz der 70. Frankfurter Buchmesse. „Noch immer gibt es die Absicht, Frauen zu kontrollieren, noch immer gibt es die Unfähigkeit, Frauen als vollständige Menschen zu sehen“, beklagt die 41-jährige Feministin, eine der großen Stimmen der afrikanischen Gegenwartsliteratur.

Adichie erzählt, wie sie bei dem Besuch einer katholischen Kirche in ihrer nigerianischen Heimat am Betreten des Gotteshauses gehindert werden sollte, weil sie eine Bluse mit kurzen Ärmeln trug. Als sie das Erlebte in einem kritischen Artikel verarbeitet habe, sei die öffentliche Reaktion gewesen: „Halts Maul!“ Die afrikanische Autorin ruft zum Mut in der öffentlichen Auseinandersetzung auf: „Wir müssen eine Lüge eine Lüge nennen!“ Überall auf der Welt würden Frauen und ihre Geschichten noch immer nicht gehört.

Riethmüller greift die Türkei scharf an

Überhaupt steht der Auftakt für die größte Medienschau der Welt ganz im Zeichen der Menschenrechte. Heinrich Riethmüller, Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, sieht „Buchhandlungen und Verlage in der Verantwortung, eine Gesellschaft, die auf den Menschenrechten basiert, mitzugestalten“. Der Börsenverein und die Buchmesse haben die Kampagne „On The Same Page“ gestartet, zum 70-jährigen Bestehen der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte.

Riethmüller greift die Türkei scharf an. Sie sei Erstunterzeichnerin der Deklaration der Menschenrechte gewesen, tatsächlich aber seien „große Teile des Inhalts dort nicht mehr gültig“. Der Vorsteher nennt die Türkei das Land mit den weltweit meisten Inhaftierten aus der Kultur- und Medienszene. Riethmüller fordert „mit Nachdruck“, dass alle inhaftierten Medien- und Kulturschaffenden und Oppositionellen in allen Staaten der Erde freigelassen werden: „Die Verfolgung von Andersdenkenden muss ein Ende haben.“

Juergen Boos, der Direktor der Buchmesse, kritisiert „das permanent hohe Erregungsniveau“ und die „ständige Hysterie“ der öffentlichen Debatte. Er halte das für „bedenklich“, sagt der Kulturmanager. Diese „Überspanntheit“ gehe meist mit der Ausgrenzung anderer einher.

Boos nennt die Buchmesse „einen Ort der Freiheit“ und einen „Ort des gegenseitigen Respekts“. Das zweite große Thema zum Auftakt der Buchmesse ist die Lage der Branche und die Situation der Verlage und Buchhandlungen. Der Börsenverein hatte vor Monaten noch von einem dramatischen Rückgang der Zahl der Leserinnen und Leser gesprochen – außerdem kauften nur noch 46 Prozent der Erwachsenen überhaupt Bücher.

Jetzt spricht Riethmüller plötzlich von einer „Aufbruchstimmung“ in der Branche. Verlage und Buchhandlungen arbeiteten intensiv an neuen Ansätzen, um Menschen für Bücher zu begeistern. Der Vorsteher behauptet: „Die befragten Buch-Abwanderer schätzen das Buch und haben Sehnsucht danach.“ Jedoch kämen sie im hektischen Alltag, „gestresst durch Social Media und abgelenkt durch andere Unterhaltungsformate“, weniger zum Lesen. Der Markt liegt beim Umsatz mit 1,1 Prozent unter den Zahlen des Vorjahres. Der Vorsteher zeigt sich aber optimistisch, dass durch ein gutes Herbst- und Weihnachtsgeschäft noch ein ausgeglichenes Ergebnis erreicht werden kann.

Juergen Boss verbreitet Optimismus

Auch Direktor Boos verbreitet Optimismus. Er spricht von einem Plus von fast drei Prozent bei den Ausstellern. 7500 Verlage aus 110 Ländern haben sich gemeldet. Ungeachtet rückläufiger Buchkäufe bleibe die „Liebe zur Literatur aber beständig“.

Boos zeigt sich erfreut darüber, dass so viele afrikanische Länder wie nie in Frankfurt vertreten seien. 34 Verlage aus 19 Staaten hätten sich gemeldet, darunter Äthiopien, Südafrika. Ruanda, Togo und der Senegal. Der Direktor hebt auch die Präsenz vieler asiatischer Staaten hervor, von Indonesien bis Vietnam, von Thailand bis Malaysia.

„Weltweit gibt es eine wachsende Nachfrage nach gedruckten Büchern“, sagte Boos vor mehr als 250 Medienvertretern im „Pavilion“, dem neuen Veranstaltungsgebäude der Frankfurter Buchmesse. Aber auch das Hörbuch wachse wirtschaftlich, mit einem Plus von bis zu 34 Prozent in den USA. So müht sich die gebeutelte Buchwelt um positive Signale.

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