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Buchmesse Frankfurt Die drei Fragezeichen haben jetzt Handys

Ein Rundgang durch die Kinder- und Jugendbuchhalle zeigt: Die Klassiker stehen noch immer hoch im Kurs.

Frankfurter Buchmesse
An Bilderbuchneuerscheinungen herrscht auf der Buchmesse kein Mangel. Foto: Michael Schick

Bunt, tierisch, experimentell – und zuweilen klassisch geht es während der Buchmesse in Halle 3.0 zu. Denn darauf setzen die Kinder- und Jugendbuchverlage, die hier ihre Stände haben. Dass sich „experimentell“ und „klassisch“ dabei nicht ausschließen müssen, zeigt sich am Stand von „Nord-Süd“. Der Zürcher Verlag hat das Copyright auf den inzwischen 30 Jahre alten Kinderbuchstar Lars, den kleinen Eisbären, und den Regenbogenfisch, der heuer 25 Jahre alt wird.

Kleine Leser ließen sich nach wie vor von den beiden Klassikern begeistern, sagt Verlagssprecherin Nina Grünberger, aber: „Klassiker muss man pflegen.“ Deshalb würden die Ausgaben von dem Eisbärjungen Lars so angepasst, dass das Layout zeitgemäß ist. „Wir haben eine neue Schrift gewählt, aber die Bilder sind noch wie früher.“ Schließlich sei man auch den früheren Lesern verpflichtet, die mit den Klassikern groß geworden sind: „Das ist eine heikle Balance.“

Wenn die Verlagssprecherin von Büchern spricht, meint sie Bücher aus Papier – keine elektronischen. „Nord-Süd“ digitalisiere seine Bücher bislang nämlich noch nicht, denn: „Kinderbücher werden von den Eltern oder Großeltern gekauft und vorgelesen. Und da ist das haptische Buch nicht zu schlagen. Außerdem legt man sich auch nicht mit dem Kind abends ins Bett und liest ihm auf dem Tablet vor.“

Trotzdem gibt es den Regenbogenfisch inzwischen auch als App, womit der Verlag nach dem „Sowohl-als-auch-Prinzip“ verfährt: „Wir schaffen Zusatzangebote zum Buch, aber man braucht die Basis, mit der man auf digital setzen kann.“

Ein paar Stände weiter trifft man auf einen weiteren, tierischen Kinderbuchklassiker: die kleine Raupe Nimmersatt, seit 1982 vom Hildesheimer Gerstenberg-Verlag herausgegeben. Auch die Geschichte von der grünen Raupe, die sich Seite für Seite immer fetter frisst und am Ende als Schmetterling entpuppt, komme heute noch gut an, sagt Pressesprecherin Katrin Schaper.

Von dem Klassiker habe sich der Verlag auch für seine Neuerscheinungen inspirieren lassen: „Das Buch war schon vor Jahrzehnten ein Renner, weil Kinder ihre Finger durch die Seiten stecken können. Das ist ein interaktives Element, das wir heute neu entdecken.“ Und zwar mit Büchern, in denen 3-D-Aufklappelemente eingebaut sind: Wenn man etwa die Gerstenberg-Neuerscheinung über Baustellen durchblättert, erhebt sich als Überraschungsmoment ein großer drehbarer Kran. Auch bei Gerstenberg seien E-Books noch kein Thema, obwohl man dafür grundsätzlich offen sei.

Der Stuttgarter Kosmos-Verlag hat dagegen schon probiert, was digital möglich ist: So gibt es zum Beispiel ein Dino-Buch mit QR-Codes, die sich mit dem Handy scannen lassen, um darauf dann einen Dino schlüpfen zu sehen. Die Technik habe sich bislang aber noch nicht durchgesetzt, sagt Sprecherin Silke Ruoff. „Trotzdem ist es wichtig auszuprobieren, auch im E-Book-Bereich.“

Dort punktet der Verlag zumindest schon mit seinem Jugendbuchklassiker „Die drei Fragezeichen“. Die drei Detektive Justus, Peter und Bob ermitteln schon seit 1964, daher musste inzwischen auch in ihrer fiktiven Erzählwelt die Digitalisierung Einzug halten, „aber ganz sanft“, unterstreicht Ruoff. „Die drei Detektive haben jetzt auch ein Handy, aber wir versuchen, dass das nicht so oft zum Einsatz kommt, um möglichst anschlussfähig an den Romanen von früher sein zu können.“

Birgit Müller-Bardorff, Vorsitzende der Kritikerjury für den diesjährigen Deutschen Jugendliteraturpreis, der gestern verliehen wurde, freut sich, dass sich die Helden von damals bis heute halten konnten. Rund 9000 Kinder- und Jugendbücher erschienen jedes Jahr neu. „Not an Neuem herrscht also nicht“, sagt sie, allerdings sei darunter auch vieles, was kaum Potenzial für einen „neuen Klassiker“ habe.

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