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Buchmesse Frankfurt Den Rechten die Zähne zeigen

Auf der Buchmesse Frankfurt formiert sich der Protest gegen rechte Verlage. Die Bildungsstätte Anne Frank startet eine Kampagne der Vielfalt.

Buchmesse Frankfurt
Oberbürgermeister Peter Feldmann (l.) und Meron Mendel tragen den Kampagnentisch zum Stand des rechten Antaios-Verlags. Foto: Michael Schick

In Halle 3 machen Menschen den Mund auf gegen rechts. Zum Beispiel im Gang G. Dort stellt am Mittwochmorgen die Bildungsstätte Anne Frank die Kampagne „Mut, mutiger, Mund auf. Gib der Vielfalt deine Stimme“ vor, die sie kurzfristig als Reaktion auf das Bundestagswahlergebnis der AfD und die Präsenz rechter Verlage auf der Buchmesse gestartet hat. An einer Fotowand sammeln sich mehr und mehr Münder von Buchmessebesuchern, die „Zähne zeigen gegen rechts“.

„Wir möchten die große Mehrheit stärken, jene 87 Prozent, die ihre Stimme nicht den Rechtspopulisten und -extremisten gegeben haben“, sagt Bildungsstätten-Direktor Meron Mendel. „Damit sie sich trauen, Position zu beziehen und ihren Mund aufzumachen.“
Zahlreiche zivilgesellschaftliche Organisationen, das Bundesfamilienministerium, der Börsenverein des Deutschen Buchhandels und die Stadt Frankfurt haben sich kurzfristig der Kampagne angeschlossen.

Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) unterschreibt und betont, er sei hier, weil es Akteure wie die Bildungsstätte zu stärken gelte, nicht weil wenige Meter weiter der Antaios-Verlag aus dem Spektrum der Neuen Rechten für sein Angebot werbe. Die Buchmesse, kritisiert Feldmann, habe „zu passiv“ darauf reagiert.

Dann tragen Feldmann und Mendel einen Kampagnentisch rüber zu Antaios, wo Verlegerin Ellen Kositza und ihr Team sich betont freundlich die Kampagnenbuttons anstecken.

Wenig später werden Vertreter des Verlags auch die Bühne des Weltempfangs für sich einzunehmen versuchen, auf die die Buchmesse zur Diskussion über den Umgang mit den Rechten eingeladen hat.

Podiumsgast und FR-Redakteur Danijel Majic weiß das souverän zu kontern: „Das war jetzt ein schönes Beispiel für die Wortergreifungsstrategien der Neuen Rechten“, sagt er. Er seziert die Inhalte ihres Flugblatts und betont, man müsse über die Rechten reden und „das schreiben, was sie nicht wollen“, anstatt ihre selbst inszenierten Auftritte zu spiegeln. Denn, so ergänzt Timo Reinfrank, Geschäftsführer der Amadeu-Antonio-Stiftung: „Es geht ihnen nicht um eine Auseinandersetzung, sondern darum, ihre menschenfeindlichen Positionen darzustellen.“

Dagegen macht nicht zuletzt die Amadeu-Antonio-Stiftung ihren Mund auf – auch sie hat ihren Stand im Gang G – als Gegengewicht zu den Rechten.

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