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Buchmesse Frankfurt Aufstehen für Menschenrechte

Schriftstellerin Asli Erdogan macht die Situation der Presse in der Türkei Angst. Eine Opposition gegen den Präsidenten sieht sie nicht mehr gegeben.

Asli Erdogan im Gespräch mit Volker Jung (r.) und Christian Mihr (l.). Foto: Christoph Boeckheler

Am Ende der Diskussion erzählt Asli Erdogan noch eine Geschichte aus dem türkischen Gefängnis, die ihr heute Mut macht. Einige Gefangenen schmuggeln Pflanzensamen ins Gefängnis und pflegen sie, bis sie aufgehen und kleine Blumen entstehen. Zwar werden die Pflanzen immer wieder konfisziert, doch die Gefangenen pflanzen auch immer wieder neue an. „Ich will für mich auch diese kleinen Pflanzen erhalten. Es ist ein Ausdruck des Respekts an das Leben“, sagt Asli Erdogan.

Gespräch über die Pressefreiheit in Europa

Am ersten Fachbesuchertag der Buchmesse sprachen die Autorin Asli Erdogan – die momentan in Frankfurt im Asyl lebt –, Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau Volker Jung sowie der Geschäftsführer von Reporter ohne Grenzen Christian Mihr über die Pressefreiheit in Europa. Dabei stand vorrangig auch die Situation in der Türkei im Mittelpunkt. Asli Erdogan war 2016 verhaftet worden.

Sie arbeitete damals bei einer pro-kurdischen Tageszeitung und ihr wird Propaganda für eine illegale Organisation vorgeworfen. Ein endgültiges Gerichtsurteil steht noch aus. „Seit zwei Jahren sichten sie meine Bücher“, sagte die 51-Jährige mit leiser Stimme. Sie zeigte dem Publikum ihre Beruhigungsmittel, die sie immer noch nehme. „Es ist ein Trauma in mir.“ Viele würden ihr sagen, dass sie zu den Glücklicheren gehöre, weil sie nicht im Gefängnis säße. So fühlen, würde sie sich allerdings nicht.

Dass es noch eine Opposition in der türkischen Presselandschaft gäbe, glaube Asli Erdogan nicht. Zwar werde es immer Journalisten geben, die die Ethik verteidigen wollen, doch die Situation würde immer schwieriger.

Kirchenpräsident Jung sagte, dass Menschenrechtsverletzungen das Leben selbst in Frage stellten. Populisten würden immer versuchen Rechte zu beschränken. „Wir müssen denen entgegentreten, die die Menschenrechte mit Füßen treten“, so Jung. Er verteidigte auch das Kirchenasyl, von denen momentan einige Flüchtlinge profitieren. „Wir gewähren es im Namen der Menschenrechte.“ Es sei kein Wirken gegen den Rechtsstaat, sondern ein Hinweis für selbigen in den Fällen besonders genau hinzuschauen.

Asli Erdogan hat Angst

Christian Mihr kritisierte die Regierung in Sachen Menschenrechtsverletzungen nicht genug zu tun. Es gebe Länder, da falle Kritik solcher Verstöße leicht und bei bestimmten Ländern zögere die Regierung. Er empfahl Blasphemie als Straftatbestand aus dem Gesetz zu streichen. „Das wäre ein wichtiges Signal.“ Gerade in arabischen Ländern werden dadurch immer wieder Verurteilungen vorgenommen.

Auf die türkische Community in Deutschland angesprochen, sagte Asli Erdogan: „Sie weiß nichts über die Türkei.“ Viele würden nur Zeitungen lesen, die pro Erdogan seien. Wie die wirklichen Zustände seien, wüssten sie nicht. Die 51-Jährige erklärte, dass sie Angst habe. Nicht nur um sich, sondern auch um viele andere Menschen in der Türkei. Die Situation dort sei gefährlich, weil es viele Fanatiker gebe. „Aktuell herrscht in der Türkei Faschismus“, sagte Asli Erdogan.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Buchmesse Frankfurt

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