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Buchmesse Die Stunde der Buchbranche

Kämpferische Auftritte bei der Eröffnung der Buchmesse in Frankfurt.

Buchmesse
Bücherfreunde: Juergen Boos und Markus Dohle (rechts). Foto: Renate Hoyer

Kämpferischer denn je präsentiert sich die Branche an diesem Morgen im Saal „Illusion“, während draußen ein kühler Herbstwind die Fahnen der Frankfurter Buchmesse flattern lässt. Heinrich Riethmüller, der Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, kommt umgehend zur Sache. „Der Erfolg der AfD bei der Bundestagswahl hat uns geschockt“, sagt er, fügt jedoch hinzu: „Aber überraschend kam er nicht.“ 

In Zeiten von Polarisierung und Spaltung der Gesellschaft seien die Verlage „geforderter denn je“. Sie stünden für die Verbreitung verlässlicher Informationen, für „Dialog und Meinungsfreiheit“. Der Vorsteher ruft „die Stunde der Buchbranche“ aus. 

Ja, die Eröffnung der Buchmesse ist eine Zeit der trotzigen Selbstvergewisserung. „Drastische Einbrüche“ beim Umsatz des Buchhandels gebe es nicht, obwohl „immer wieder beschworen“, betont der Vorsteher. Um ein Prozent gegenüber 2016 sei der Umsatz zurückgegangen, aber noch stehe das Weihnachtsgeschäft mit „starken Bestsellern“ ja bevor. 

Riethmüller nennt es „unsäglich, wie die Menschenrechte an so vielen Orten mit Füßen getreten werden“. Er erinnert an das Schicksal des inhaftierten Bloggers Raif Badawi in Saudi-Arabien oder des Journalisten Denis Yücel, der in einem türkischen Gefängnis sitzt. An die Adresse der Bundesregierung sagt er: „Die Politik darf die Meinungsfreiheit nicht zum Verhandlungsgegenstand machen.“

Klar sind auch andere Forderungen an eine künftige Regierungskoalition auf Bundesebene. Sie müsse dafür sorgen, dass Verlage wieder Geld erhalten, wenn verlegerische Inhalte kopiert werden. Die Streichung dieser Regel gefährde die Existenz gerade kleiner Verlage. Auch dass wissenschaftliche Inhalte kostenlos zur Verfügung gestellt werden müssten, bedeute „einen schweren Schlag für 600 Wissenschaftsverlage“. 

Auch Juergen Boos, der Direktor der Buchmesse, beantwortet die Frage klar, ob das Buch am Ende sei: „Mitnichten!“ Autoren wie Michel Houellebecq oder Daniel Kehlmann würden „wie Popstars gefeiert“. Boos betont die Bedeutung des Buchhandels im Kampf gegen Fake News. Hier helfe nur, „alle verfügbaren Fakten“ darzulegen: „Falschmeldungen dienen nur zur Untermauerung des eigenen engen Weltbildes“. 

Der Messechef bekräftigt seinen umstrittenen Standpunkt, rechtsextreme Aussteller nicht von vorneherein auszuschließen: „Verbote und Zensur sind keine Option.“ Boos: „Eine Idee verschwindet nicht, indem man die Autoren beseitigt“. 

Markus Dohle, der Vorstandsvorsitzende der weltumspannenden Verlagsgruppe Penguin Random House mit 250 (!) Unternehmen auf fünf Kontinenten, formuliert die kühne These, das Buchgeschäft erlebe vielleicht seine beste Zeit in 500 Jahren. Die internationalen Buchmärkte wüchsen langsam, aber kontinuierlich – Dohle nennt das Beispiel Indien. Gedruckte Bücher und E-Books lebten in einer „gesunden Koexistenz“.

80 Prozent entfielen nach wie vor auf Print, nur 20 Prozent auf E-Books: Vor zehn Jahren sei es genau umgekehrt erwartet worden. Tatsächlich gehe der Anteil des E-Books sogar zurück, das gedruckte Buch erlebe eine Renaissance. Dohle zeigt sich überzeugt, dass gute Geschichten die Zukunft des Buches garantierten. Für die Zukunft der demokratischen Grundordnung seien sie „wichtiger denn je“. 

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