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Buchmesse „Demokraten sind nicht wehrlos“

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier beklagt eine neue Faszination des Autoritären.

Frank-Walter Steinmeier
Freundliche Begrüßung: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (l.) mit dem Belgier Stefan Hertmans und der Kroatin Ivana Sajko. Foto: Michael Schick

Viele sind gekommen, um diese Diskussion zu hören. Was tun gegen den scheinbar unaufhaltsamen Erfolg des Rechtspopulismus? Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier ruft bei der Frankfurter Buchmesse dazu auf, „sich über die Realität in Europa bewusst zu werden“. Sein Fazit nach knapp einstündiger Debatte: „Es gibt eine neue Faszination des Autoritären – die Demokraten sind aber deshalb nicht wehrlos!“

Im „Frankfurt Pavilion“ auf der Agora des Messegeländes erörtert Steinmeier mit der kroatischen Autorin Ivana Sajko und dem belgischen Schriftsteller Stefan Hertmans die Lage in Deutschland und Europa. Die Demokratie, sagt der Bundespräsident, sei heute sicher „ein Stück weit zu selbstverständlich“ geworden.

Steinmeier: „Nicht resignieren“

Tatsächlich treffe er aber Zehntausende von engagierten Personen, die tagtäglich unspektakulär dafür sorgten, dass die Menschen gerne in diesem Land lebten. In den Medien werde nur stets nicht die Normalität, sondern der Ausnahmezustand beschworen. Tatsächlich „ging es in Deutschland nie besser“. Es gebe „statistisch keinen Grund, zu klagen“. Er plädiere deshalb dafür, „nicht zu resignieren oder zynisch zu werden“.

Der Bundespräsident bezeichnet sich selbst als „Methusalem auf der Frankfurter Buchmesse“. Als er in den 70er und 80er Jahren in Hessen gelebt habe, sei die Buchmesse für ihn „ein Pilgerort“ gewesen. „Dieser Ort ist notwendig“, fügt das Staatsoberhaupt hinzu. Denn es gelte, „den Dialog über den Zustand der Gesellschaft wieder zustande zu bringen“.

Die 70 Jahre alte Deklaration der Menschenrechte, für die Buchmesse und Börsenverein des Deutschen Buchhandels in einer Kampagne eintreten, bleibe unverändert wichtig. Sie sei das Ideal, an dem alle sich zu orientieren hätten. Journalisten und Schriftsteller, die unbequem seien, dürften „nicht einfach weggesperrt werden“. Der Kampf für diese Menschen müsse weitergehen, sagt der Bundespräsident unmissverständlich: „Jeder, der freikommt, ist ein Gewinn.“

Die Kroatin Ivana Sajko, als Schriftstellerin wie Theaterautorin bekannt, ist gerade in Berlin mit dem Literaturpreis des Hauses der Kulturen der Welt ausgezeichnet worden. Sie berichtet von der schwierigen Lage der Kulturschaffenden in ihrem Heimatland. Die Plattform für die Kultur gehe zunehmend verloren. Heute sei „die öffentliche Rede manchmal sehr gefährlich“.

Schon immer habe es bei vielen Menschen „die alte Angst“ gegeben, „ihre Integrität zu verlieren“. Der Zustrom von Geflüchteten nach Europa habe dann dieses bereits existierende Problem verstärkt. Und die staatlichen Institutionen seien „unfähig, auf diese Probleme einzugehen“.

Hertmans beklagt Hysterie der öffentlichen Debatte

Ähnlich wie der Bundespräsident beklagt auch der Belgier Hertmans die Hysterie der öffentlichen Debatte. „Es gibt einen Ozean von Adrenalin, und der steigt täglich.“ Dagegen helfe nur der Dialog mit den Menschen, die sich ausgegrenzt fühlen. Es brauche eine neue Begegnungskultur. Hier sieht Hertmans eine Aufgabe für die Autorinnen und Autoren. Literatur sei „eine Übung, sich einzufühlen in andere“. Der Autor beklagt, dass die Aufklärung „mit den Füßen getreten“ werde.

Die 250 Sitzplätze im „Pavilion“ sind am Morgen dicht besetzt. Im Publikum finden sich die frühere Frankfurter Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) – vom Bundespräsidenten mit Handschlag begrüßt – und der Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, Alexander Skipis.

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