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Buchmesse „Dass wir noch da sind, ist ein Erfolg“

Die Weissbooks-Verlegerin Anya Schutzbach spricht im FR-Interview über unbequeme Lebenswege in der Realität und zwischen Buchdeckeln.

Buchmesse Frankfurt
Anya Schutzbach, Geschäftsführerin des Frankfurter Weissbooks-Verlages. Foto: Michael Schick

Rainer Weiss zieht sich nach zehn Jahren aus dem operativen Geschäft des Frankfurter Weissbooks-Verlags zurück, Anya Schutzbach (53) übernimmt die alleinige Geschäftsführung.

Vor zehn Jahren auf der Buchmesse haben Sie und Rainer Weiss publik gemacht, dass Sie einen eigenen Verlag gründen. Wie fühlt sich das zehn Jahre später nun an?
Wie ein Meer der Ewigkeit und gleichzeitig wie ein großes schwarzes Loch. Ich kann diese zehn Jahre weder greifen noch begreifen.

Wie fing alles an?
Ich war Anfang 40 und fragte mich: „Was willst du in deinem Leben wirklich tun?“ Ich hatte die Wahl, bis 67 in einer sehr schönen Festanstellung beim Suhrkamp-Verlag weiterzuarbeiten und mit ihnen nach Berlin zu ziehen. Oder mich auf eigene Beine zu stellen. Und da ich keine eigene Familie habe, dachte ich, ich kann mich nicht für den bequemen Weg entscheiden. Ich möchte etwas Eigenes haben. Und fällte so relativ schnell und vielleicht etwas unbedacht den Entschluss, einen eigenen Verlag zu gründen.

Für die Menschen, die noch nie von Weissbooks gehört haben. Beschreiben Sie ganz kurz: Was macht den Verlag aus?
Unser Claim ist ja: „Der Verlag für zuverlässige Überraschungen“. Wir picken das heraus, was elektrisiert, was nicht Mainstream oder weichgespült ist. Wir machen Bücher für Connaisseure, die die Perlen der Literatur lieben und suchen.

Ist Weissbooks eine Erfolgsgeschichte?
Es ist deswegen eine Erfolgsgeschichte, weil es uns immer noch gibt. Against all odds. Als wir uns gründeten, hieß es: Braucht die Welt noch einen weiteren kleinen Independent-Verlag? Es gibt knapp 3000 belletristische Verlage. Wir beobachten in den letzten Jahren ein massives Verlagssterben. Die Tatsache, dass wir es geschafft haben und immer noch auf dem Markt sind, ist ein Erfolg, und wir sind sehr stolz.

Welches Buch von Weissbooks sollte man jetzt lesen?
Christoph Höhtkers Roman „Das Jahr der Frauen“. Das soll man nicht nur lesen, weil es auf der Longlist des Deutschen Buchpreises stand und total polarisiert. Es geht um einen Mann, der sich umbringen will. Sein Psychiater sagt: „Das kann ich nicht zulassen.“ Sie wetten. Der Protagonist sagt: „Wenn es mir gelingt, in einem Jahr jeden Monat eine Frau zu erobern, dann darf ich mich anschließend umbringen.“ Die Geschichte ist herzzerreißend tragisch und herzzerreißend komisch.

Ihr Lieblingszitat aus diesem Buch?
Alles geschieht immer gnadenlos zufällig.

Letzte Frage: Die Buchmesse ist für mich …
... wie ein Ausflug ins Weltall, wild und aufregend, ermüdend, dunkel und voller Sterne.

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