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Besuchertage Messe der Herzen

Dreizehn Gründe, nicht auf die Frankfurter Buchmesse zu gehen, die aber auf den zweiten Blick alle nicht standhalten.

Buchmesse Frankfurt
Auf der Messe gibt es nicht nur Bücher, sondern auch diesen Wohncontainer vom Verlag Kein und Aber. Foto: dpa

Auf der Buchmesse ist es voll. Das stimmt, aber an einem Samstag vor Weihnachten auf der Zeil ist es auch furchtbar voll, und trotzdem geht jeder hin. 

Franzosen sprechen Französisch. Und sie gucken streng, wenn man einen Fehler macht. Das stimmt, aber sie nehmen auch Rücksicht. Die Bühne im Pavillon des Gastlandes heißt „La grande Bühne“ und holt das Publikum da ab, wo es sich befindet. Auf deutscher Seite bei einem rudimentären Französisch-Vokabular, das bei „La grande“ aber noch Boden unter den Füßen hat. Auf französischer Seite bei einer konsequent französischen Aussprache, die mit einem Wort wie Bühne, einmal laut ausgesprochen, verhältnismäßig wenig Schwierigkeiten hat. Markanter ist es, wenn ein französischer Verlagsangestellter an der Kaffeebude nach Schuhgahr fragt. Er meine offenbar Schugga, hilft eine deutschsprachige Person aus, der dann natürlich blitzschnell klar wird, dass sie hier Deutsch sprechen kann. Die Verständigungsprobleme bringen die Buchmessenbesucher einander nur näher.

Außerdem wimmelt es von französischsprachigen Personen. Selbst die Kinder, die vor der „Petite Bühne“ herumkichern, brauchen keine Kopfhörer. Ein Kinderbuch über einen Hasen wird beworben mit einem Hasen, um den herum Namen wie „Lacan“, „Fritz Lang“, „Lancelot“ ins Spiel kommen. Er aber ist dann bloß „lapin“. Hase. Es müssen sehr gebildete Kinder sein, die alles verstehen, was den Hasen betrifft. Der Hase selbst ist hingegen jugendlich ungezogen, wie der Titel der auch in Deutschland sehr erfolgreichen Folge „Pipikack“ klar macht. Französische Kinderbücher sind so gut illustriert, dass man gerne ein Plakat aussägen würde, wenn man nur könnte. 

Auf der Buchmesse kann man kein Plakat aussägen. Das wäre auch noch schöner. Was soll das überhaupt heißen, aussägen? Das Gastland Frankreich hat sein Forum mit luft- und lichtdurchlässigen Bücherregalen aus hellem Holz weitgehend ausgefüllt. Dazwischen entsteht ein durchschaubares Labyrinth, auch mit etlichen Holzwegen. Aber überall gibt es etwas zu sehen. Es gab schon spektakulärere Gastland-Hallen, aber seit Menschengedenken keinen mit so vielen Büchern. 

Es gibt so viele Bücher, die uninteressant sind. Das stimmt, aber es kommt auch ständig das nächste Buch. Schon spricht Manal al-Sharif über ihr Buch „Losfahren“ (Secession Verlag) und die schwierige Lage saudischer Frauen. Obwohl deren Ausbildung inzwischen staatlich gefördert werde, gebe es anschließend kaum Arbeitsstellen für sie. Das liege aber eben nicht mehr an der mangelnden Qualifikation, sondern an der Geschlechtertrennung, die sie nur mit der früheren Rassentrennung in den USA vergleichen könne. Ihr Vater habe sie aber nicht mehr geschlagen, seit sie aufs College gekommen sei. Stattdessen habe er sie selbst hingefahren. Mit ihrem ersten selbstverdienten Geld habe sie ihren Eltern, armen Leuten – „Sie denken, Saudis seien alle reich, aber da irren Sie sich“ –, als erstes eine anständige Wohnung beschafft und die Miete dafür bezahlt. „Gut ausgebildete Frauen sind es, die ihre Familien von der Armut in die Mittelklasse bringen, das merken die Menschen, das verändert alles.“ 

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