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Antaios-Verlag Kritik von links und rechts

Der Umgang der Buchmesse mit dem neurechten Antaios-Verlag wird sowohl aus dem linken als auch dem rechten politischen Lager kritisiert.

Frankfurter Buchmesse
Demo auf der Buchmesse gegen ein Podium des rechtsgerichteten Antaios-Verlags. Foto: Michael Schick

Auch nachdem die Buchmesse am Sonntag ohne weitere Zwischenfälle zu Ende gegangen ist, reißt die Kritik an der Haltung der Buchmessenleitung gegenüber den Auftritten rechtsextremer Verlage und Aktivisten nicht ab. „Es ist eine gefährliche Fehleinschätzung, zu glauben, man könne sich mit Verlagen der neuen Rechten, mit Identitären und anderen Neonazis im Rahmen der Buchmesse auseinandersetzen“, ließ die Fraktionsvorsitzende der Partei „Die Linke“ im Hessischen Landtag, Janine Wissler, verlautbaren. „Die Buchmesse war immer ein Ort der Weltoffenheit und Demokratie, wo gerade auch Menschen, die in ihren Heimatländern verfolgt werden, sicher auftreten konnten“, erklärte Martina Feldmayer, kulturpolitische Sprecherin der Grünen im Landtag, „durch das Agieren von Nazis ist dieser geschützte Raum in Gefahr.“

Hintergrund der Kritik sind die Tumulte rund um eine Veranstaltung des neurechten Antaios-Verlages. Mutmaßlich linke Gegendemonstranten hatten dort ein Podium, auf dem Vertreter der völkischen „Identitären Bewegung“ auftreten sollten, massiv gestört. Zwischen Unterstützern des Verlages und Gegendemonstranten kam es zu Handgreiflichkeiten und wüsten Beschimpfungen. Bereits zuvor waren die Auslagen des Antaios-Verlages und eines weiteren rechten Verlages beschädigt worden. Am Stand der rechten Wochenzeitung „Junge Freiheit“ war zudem ein linker Verleger nach einem Zwischenruf von einem Zuhörer ins Gesicht geschlagen worden.

Der Direktor der Frankfurter Buchmesse, Juergen Boos, vertritt nach wie vor die Ansicht, dass die Messe im Sinne der Meinungsfreiheit auch „unliebsame Positionen“ wie die des Antaios-Verlages zulassen müsse – „weil die Frankfurter Buchmesse seit 500 Jahren dafür steht“. Dem widersprach Nargess Eskandari-Grünberg, die Kandidatin der Grünen für die Oberbürgermeisterwahl: „Meinungsfreiheit darf nicht dazu benutzt werden, Nationalismus, Rassismus und Ausgrenzung salonfähig zu machen.“ Martin Kliehm, Stadtverordneter der Linken sprach davon, dass „84 Jahre nach der Bücherverbrennung“ die Buchmesse Frankfurt glaube, „mit Nazis ,politische Positionen‘ austauschen zu können“.

Forderung nach „Strategie gegen rechts“

Kritik an der Buchmesse kommt derweil auch vom rechten Rand des politischen Spektrums. Der ehemalige Frankfurter Stadtverordnete der „Bürger für Frankfurt“, Wolfgang Hübner, der am Samstag selbst zum Tross des AfD-Rechtsaußen Björn Höcke gehörte, der mit Autoren des Antaios-Verlages aufgetreten ist, bezeichnet auf dem islamophoben Portal PI-News die Gegendemonstranten als „linksfaschistischen Mob“.

Verantwortlich für die Eskalation sei vor allem der Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, Alexander Skipis, weil dieser zur aktiven Auseinandersetzung mit den rechtsextremen Verlagen aufgerufen hatte. Skipsis sei ein „Schreibtischtäter bei einem Feldzug gegen Literatur und Geist“, schreibt Hübner.

Derweil fordert eine Reihe von Initiativen und zivilgesellschaftlichen Organisationen unter Federführung der Bildungsstätte Anne Frank die Buchmessenleitung auf, für das kommende Jahr eine „Strategie gegen rechts“ zu entwickeln.

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