Lade Inhalte...

Antaios auf der Buchmesse Mehr Raum als nötig für Rechtsextreme

Es war die richtige Entscheidung der Buchmesse-Leitung, den Auftritt von Höcke, Kubitschek und Konsorten zuzulassen. Doch warum bot sie den Rechtsextremen so viel Raum? Ein Kommentar.

Frankfurter Buchmesse
AfD-Rassetheoretiker Björn Höcke: Auftritt als politische Machtdemonstration. Foto: Michael Schick

Wer am Samstag die Tumulte am Forum Wissenschaft und Bildung, das der rechtsextreme Antaios-Verlag für seine Veranstaltungen nutzen wollte, miterleben durfte, der hat nicht nur einen Vorgeschmack darauf bekommen, wie der von der extremen Rechten gepredigte Kampf um die kulturelle Hegemonie aussehen wird. Er konnte auch miterleben, was passiert, wenn man den „neuen“ Rechten Teile des öffentlichen Raums überlässt. Sie geben ihn nicht wieder her. Und für andere ist dort kein Platz.

Der Moment der Niederlage für die Buchmesse-Leitung war spätestens dann gekommen, als sie nicht durchsetzen konnte, dass die von ihr für beendet erklärte Veranstaltung tatsächlich beendet wurde. Verleger Götz Kubitschek dufte sich als Herr im Hause der Buchmesse aufführen – nachdem er den Messesamstag zusammen mit dem AfD-Rassetheoretiker Björn Höcke für eine politische Machtdemonstration genutzt hatte. 

Das Einzige, was sein Konzept wirklich gestört hat, war der lautstarke Protest, der den Auftritt der Identitären, vertreten durch einen vorbestraften Ex-Neonazi (Mario Müller) und einen nicht vorbestraften Ex-Neonazi (Martin Sellner), verhindert hat. 

Es ist fast müßig, sich Gedanken darüber zu machen, wie die Rechten ihr Auftreten vermarkten werden. Die Identitären, die Theateraufführungen stürmen und mit Kunstblut rumspritzen, das Publikum, das jede noch so vulgäre Beschimpfung des „Establishments“ bei Pegida und Co. feiert, Kubitschek und Gefolgschaft, die während der Buchmesse fast jede Veranstaltung zum Thema „Rechte“ zu entern versuchten, sie alle werden erst ein Lamento über fehlende Meinungsfreiheit und ihre eigene Unterdrückung anstimmen und dann doch ihren „Triumph“ verkünden.

Besiegt wurde indes nur die Buchmesse, der es nicht gelungen ist, die Raumergreifung der Neuen Rechten einzuhegen. Ihren Auftritt zulassen, musste sie schon allein aus juristischen Gründen. Ihnen so viel Raum bieten, wie sie es getan hat, nicht. 

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen