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Antaios auf der Buchmesse Die Landnahme

Rechtsextremen um den Antaios-Verleger Götz Kubitschek gelingt es, die Buchmesse zur Bühne ihres „Kulturkampfs“ zu machen. Nach einem Auftritt von Björn Höcke eskaliert die Stimmung.

Frankfurter Buchmesse
Linke demonstrieren gegen eine Podiumsveranstaltung des rechtsgerichteten Antaios-Verlags. Foto: Michael Schick

Ellen Kositza verfasste vorab einen offenen Brief, in dem sie zwar einen „Dialog auf Augenhöhe“ zwischen dem „David“ Antaios Verlag und „Goliath“ Amadeu-Antonio-Stiftung fordert, zugleich aber ellenlang erklärt, warum man dem Gegner in allen Belangen haushoch überlegen sei.

Reizfigur ist die Vorsitzende der Stiftung, Anetta Kahane. Weil sie für die Stasi (deshalb das Mielke-Paket) gearbeitet hat, was sie allerdings selbst kritisch aufgearbeitet hat. Weil sie kritisiert hat, dass der Osten Deutschlands nach der Wende immer noch „zu weiß“, also nicht multikulturell genug sei. Man nimmt ihr in rechten Kreisen noch etwas anderes übel, auch wenn man es nie offen ausspricht: ihre jüdische Herkunft.

Martin Semlitsch alias Martin Lichtmesz, prominenter Autor des Antaios-Verlags macht dies in einem Twitter-Dialog, an dem er sich während der Messe beteiligt, deutlich. User 1: „Ja es ist Hass auf eine andere Rasse, gepaart mit Vernichtungswillen. Sie selbst ist ja keine Weiße.“ User 2: „Schade, dass sie nicht bei sich selbst anfängt mit dem Vernichten der weißen Rasse. Dann wären wir wenigstens ein Problem los.“ Lichtmesz: „Ich vermute, sie zählt sich selbst zu einer anderen Mischpoke…“

Vom Stand der Amadeu-Antonio-Stiftung lässt sich die Raumergreifungsstrategie der neuen Rechten gut beobachten. Der Antaios-Stand ist während der Messe nicht besser besucht als andere. Doch Mitarbeiter und Anhänger positionieren sich – bewusst oder unbewusst – immer so, dass sie im Gang stehen. Von außen sieht es so aus, als bilde sich ständig eine Menschentraube am Stand.

Es ist nicht der einzige Versuch der Landnahme im öffentlichen Raum der Buchmesse. Verlagsmitarbeiter und die Kinder Kubitscheks intervenieren regelmäßig bei fremden Veranstaltungen. Kubitschek und Kositza halten sich meist zurück, demonstrieren aber Präsenz – begleitet vom eigenen Kameramann. „Umso wichtiger, dass wir hier sind und diesen Raum beschränken“, sagt Anne Tahirovic von der Amadeu-Antonio-Stiftung.

Die Buchmesse ist eine explizit politische Veranstaltung. Am Samstag dann wird sie zur Bühne einer politischen Machtdemonstration. Götz Kubitschek führt den Thüringer Fraktionschef der AfD, Björn Höcke, über die Messe. Begleitet von einem Tross von rund 100 Menschen: AfD-Anhänger, Identitäre, ein ehemaliger Stadtverordneter der „Bürger für Frankfurt“ und bekannte Gesichter der hessischen Neonaziszene. 

Die Tumulte am Samstag in Halle 4.2 waren der vorläufige Höhepunkt des von Kubitschek und Konsorten selbst propagierten Kampfs um den vorpolitischen Raum. Nachdem das Identitären-Podium nicht stattfinden konnte, ziehen die Anhänger Kubitscheks zum Stand von Antaios, in die zu diesem Zeitpunkt beinahe leere Halle 3.1. Einige Neonazis aus dem Umfeld des Freien Netz Süd machen es sich im Stand der Amadeu-Antonio-Stiftung gemütlich. Es ist niemand mehr da, der ihnen den Raum streitig macht.

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