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Antaios auf der Buchmesse Die Landnahme

Rechtsextremen um den Antaios-Verleger Götz Kubitschek gelingt es, die Buchmesse zur Bühne ihres „Kulturkampfs“ zu machen. Nach einem Auftritt von Björn Höcke eskaliert die Stimmung.

Frankfurter Buchmesse
Linke demonstrieren gegen eine Podiumsveranstaltung des rechtsgerichteten Antaios-Verlags. Foto: Michael Schick

Als sich die aufgestaute Wut seiner Anhänger am lautesten Bahn bricht, kommt der Moment des Götz Kubitschek. Das Podium gehört ihm. „Die Veranstaltung ist von der Leitung der Buchmesse für beendet erklärt worden“, ruft er den etwa 100 verbliebenen Zuhörern in Halle 4.2 auf der Frankfurter Buchmesse zu. Sie quittieren die Mitteilung mit lauten Buhrufen und Pfiffen. „Aber ich sage, wir machen jetzt trotzdem einfach weiter!“ Applaus brandet auf.

Es ist niemand mehr in der Halle, der dem Verleger des rechtsextremen Antaios-Verlags und seinen Gefolgsleuten widersprechen könnte. Mit Ausnahme von Buchmessen-Direktor Juergen Boos.

Kampf um die Bühne

Boos betritt wenige Sekunden nach Kubitscheks Ansage die Bühne, ein Megafon in der Hand. Sein Versuch, die wütende Zuhörerschaft in Halle 4.2 anzusprechen, geht in „Heuchler, Heuchler“-Schreien unter. Als Boos dennoch das Megafon zum Mund führt, drückt Kubitschek es weg. Der von AfD-Anhängern, Identitärer Bewegung und beinahe der gesamten Rechten in Deutschland vergötterte Autor und Vordenker macht deutlich, wer an diesem frühen Samstagabend das Sagen hat. Kubitschek hat sich ein Stück jenes öffentlichen Raums erobert, der ihm und den Seinen dem eigenen Selbstverständnis nach zusteht. Und er gibt ihn nicht wieder her.

Zuvor hatten sich in Halle 4.2 tumultartige Szenen abgespielt. Ab 17 Uhr standen drei Veranstaltungen des Antaios-Verlags auf dem Programm. Ein wahres „Schaulaufen der Rechten“, wie es die FR bereits im August prognostiziert hatte, als die Teilnahme des rechtsextremen Verlags an der diesjährigen Buchmesse bekannt wurde. 

17 Uhr: AfD-Rechtsaußen Björn Höcke im Gespräch mit den Antaios-Autoren Martin Semlitsch und Caroline Sommerfeld. 17.30 Uhr: Ellen Kositza, Autorin und Ehefrau des Verlegers Kubitschek, im Gespräch mit Akif Pirincci. Immer wieder gibt es Zwischenrufe und Sprechchöre von Gegendemonstranten, die im ohrenbetäubenden „Jeder hasst die Antifa“ der Antaios-Fans untergehen.

 Es kommt zu Handgreiflichkeiten, Journalisten werden bedrängt . Eine Stunde lang hat die deutsche Rechte die Hoheit über das Forum „Wissenschaft und Bildung“.

Als jedoch um 18 Uhr mit Martin Sellner und Mario Müller zwei der bekanntesten Protagonisten der Identitären Bewegung die Bühne betreten wollen, bricht der Tumult los. Ein Großteil des Publikums entpuppt sich als Gegendemonstranten. „Es gibt kein Recht auf Nazipropaganda!“, schallt es dem Antaios-Podium entgegen. 

Und auch wenn Mario Müller, ein wegen Gewaltdelikten vorbestrafter Ex-Neonazi, der nun bei den Identitären mitmischt, sein Publikum einzuheizen versucht, gelingt es ihnen 40 Minuten lang nicht, die Gegendemonstranten zu übertönen. Die Veranstaltung wird nicht wie geplant stattfinden – auch wenn die etwa 100 Gegendemonstranten Halle 4.2 kurz nach 18.30 Uhr räumen.

Im Belagerungszustand

„In Relation zur Standfläche haben wir die meiste mediale Aufmerksamkeit.“ Götz Kubitschek wiederholt diese Aussage während der fünf Tage dauernden Buchmesse ständig. Seine Einschätzung ist richtig. Vom ersten Tag an wird der vergleichsweise kleine Antaios-Stand in Halle 3.1 von Journalisten geradezu belagert.

„Wir haben ja unsere PR-Abteilung nach außen verlagert“, feixt Kubitschek bei einer Podiumsveranstaltung am Freitagabend. Gemeint ist die Aufmerksamkeit, die auch durch kritische Berichterstattung für seinen „kleinen Verlag“ generiert wird. Wie umgehen mit der Tatsache, dass der führende Verlag der extremen Rechten in Deutschland zur Buchmesse kommt?

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