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Nouripour auf Buchmesse Frankfurt Noch Hoffnung für die Grünen

FR-Redakteur Claus-Jürgen Göpfert diskutiert auf der Buchmesse in Frankfurt mit Omid Nouripour sein Buch über die Wurzeln der Grünen. Göpfert hat dafür Zeitzeugen wie Joschka Fischer und Jutta Ditfurth befragt.

Claus-Jürgen Göpfert stellt am Stand der Frankfurter Rundschau sein Buch vor. Foto: Peter Jülich

Geneigte Leserinnen und Leser der Frankfurter Rundschau kennen die Zwiegespräche von Georg Leppert und Claus-Jürgen Göpfert natürlich bereits aus den „Römerbriefen“ im FR-Lokalteil. Am Freitag unterhielten sich die Lokalredakteure am FR-Stand in Halle 3.1 auch einmal live vor Publikum auf der Buchmesse, oder besser: Leppert stellte Göpfert Fragen zu dessen gerade erschienenem Buch „Die Hoffnung war mal grün. Aufstieg einer Partei – Das Frankfurter Modell“. Als Stimme aus der Partei war dazu außerdem der außenpolitische Sprecher der Grünen im Bundestag, Omid Nouripour, geladen, der nach eigenem Bekunden Göpferts Buch „ungeheuer gerne gelesen“ hat, auch wenn es im Jahr 1993 endet „und ich erst 96 bei den Grünen eingetreten bin“.

Claus Jürgen-Göpfert sieht sein im Westend Verlag erschienenes Werk, für das er rund 30 Zeitzeugen wie Joschka Fischer, Jutta Ditfurth und Daniel Cohn-Bendit befragt hat, „als kritische Würdigung“, die daran erinnern soll, „wo die Grünen herkommen“, nämlich aus den sozialen Bewegungen. Frankfurt sei einst „so etwas wie eine politische Versuchsstation“ für die junge Partei gewesen, wo sie vieles erstmals ausprobierte, was später seinen Weg in die Bundespolitik finden sollte. Ihre Wurzeln im Frankfurter Häuserkampf oder dem Protest gegen die Startbahn West hätten die Grünen aber über die Jahre vergessen, so Göpfert.

Omid Nouripour sieht das ein bisschen anders. Natürlich habe sich seine Partei über die Jahre verändert, das sei aber auch sinnvoll und notwendig gewesen. Bei allem Respekt für Pazifisten finde er es beispielsweise richtig, sagt Nouripour zum Missfallen einer Zuhörerin, dass seine Partei nicht mehr den Weg prinzipieller Gewaltfreiheit gehe, sondern nach entsprechender Diskussion auch Auslandseinsätze befürworte.

Der Weg von den außerparlamentarischen Protesten in die Parlamente sei eben auch sehr schnell erfolgt, sagt Autor Göpfert. Auch in Frankfurt hätten sich die Grünen zur bürgerlichen Mitte bewegt. „Im Stadtparlament wurden die ersten Grünen von der CDU noch als Pack beschimpft, 20 Jahre später gab es die schwarz-grüne Koalition“, wirft Georg Leppert ein. Diesbezüglich fragt Nouripour allerdings: „Wer hat sich mehr verändert: die Grünen oder die CDU?“ Schließlich sei man die Koalition 2006 unter Oberbürgermeisterin Petra Roth eingegangen, „die sicherlich nicht mehr die CDU von Walter Wallmann 1986 verkörperte“.

Anders als es Claus-Jürgen Göpferts Buchtitel glauben machen könnte, „gibt es am Ende meines Buches durchaus noch Hoffnung für die Grünen“, stellt der Autor klar. Die Partei müsse sich aber im Hinblick auf die nahende Bundestagswahl 2017 stärker auf ihre Themen besinnen und beispielsweise Vorreiter „für den Ausstieg aus der Kohlepolitik“, für eine nicht nur auf Abschottung setzende neue Einwanderungspolitik und bei der Friedenspolitik sein. Und die Grünen müssten es auch als ihre Aufgabe sehen, Antworten auf den erstarkten Rechtspopulismus zu finden.

Über diese Schlussworte Göpferts wiederum ist Nouripour „sehr glücklich“.

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