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Friedenspreis für Emcke Anschreiben gegen den Hass

Carolin Emcke erhält am Sonntag in der Paulskirche in Frankfurt den Friedenspreis des deutschen Buchhandels. Emcke tritt mit ihren Büchern, Reportagen und Essays für eine vielfältige Gesellschaft ein.

Mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet: Carolin Emcke. Foto: Peter Jülich

Sie hatte auf den Anruf des Klempners gewartet. Als es dann Heinrich Riethmüller vom Börsenverein war, der Carolin Emcke verkündete, dass sie den diesjährigen Friedenspreis des deutschen Buchhandels erhält, da war sie zunächst verwirrt, „denn man sitzt ja nicht zu Hause und wartet darauf, dass der Börsenverein anruft“. Aber auch, weil die Publizistin diese große Ehrung, die ihr am Sonntag in der Paulskirche zuteil wird, eher „als Auszeichnung für Künftiges als für bereits Geleistetes“ versteht.

Selbstredend erhält die 49-Jährige den Preis aber doch für Geleistetes, dafür dass sie mit ihren Büchern, Reportagen, Essays für eine vielfältige Gesellschaft eintritt und – so der Titel ihres jüngsten Buches – unermüdlich „Gegen den Hass“ anschreibt, so Riethmüller am Freitagmorgen bei einem Pressegespräch auf der Frankfurter Buchmesse. Wie wohltuend Emckes Stimme aus polarisierten Diskursen heraussticht, zeigt jeder ihrer druckreifen Sätze, die sie so überlegt wie nachdrücklich und völlig unprätentiös in die Mikrofone spricht, nachdem sie zuvor erst ernst, dann lachend im Blitzlichtgewitter stand und zurückfotografierte, „weil mir das ja sonst zu Hause niemand glaubt“.

Zu Hause, das ist Berlin-Kreuzberg, aber auch stets die ganze Welt, in deren von schlimmsten Krisen und Kriegen geschüttelten Ecken Emcke immer wieder als Reporterin unterwegs war. Was Menschen überall verbinde, sagt Emcke, das sei, „dass sie einen Begriff von Freiheit haben, auch wenn sie ihnen nicht zugestanden wird. Von Würde, auch wenn ihre dauernd verletzt wird“.

Blickt Emcke auf Deutschland, auf Europa, dann macht ihr weniger das Erstarken rechter Parteien Angst, „als die Verstümmelung der Zivilität des Umgangs miteinander“. Sie habe zwar „überhaupt keine Neigung dazu, Menschen als Pack oder Mob zu bezeichnen“, es gelte „Handlungen und Sprechakte“ zu kritisieren. Aber: „Es gibt Grenzen der Toleranz und Empathie.“ Wo Menschen erniedrigt, bedroht, ihrer Rechte beraubt würden, seien die Demokratie und die gesamte Zivilgesellschaft gefragt.

„Es macht einen entscheidenden Unterschied, wenn man widerspricht“, sagt Emcke auf die Frage einer Schülerzeitungsreporterin, wie man Hass im Alltag begegnen könne. „Ich möchte nicht in einem Land leben, in dem immer nur Schwarze sich wehren gegen Rassismus. Ich möchte in einem Land leben, in dem Heterosexuelle meine Rechte verteidigen und ich das Recht von Muslimas, Kopftuch zu tragen.“

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