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Frankfurter Buchmesse Gastland Brasilien stellt Rekord auf

An den Publikumstagen zum Abschluss der Frankfurter Buchmesse war es voll wie immer. Insgesamt zählte die Messe aber ein bisschen weniger Besucher als in den Vorjahren. Das Gastland Brasilien zieht dennoch eine positive Bilanz.

Buchmesse geht auch ganz entspannt: abhängen im Pavillion des Gastlands Brasilien. Foto: oeser

Sie sind schrill. Sie sind ein echter Hingucker und beliebte Fotomotive: Ungezählte Verkleidete schlendern durch die Hallen und Gänge der Buchmesse. Elfen, junge Frauen in Reif-rock, mit Masken im Gesicht oder bunten Haaren. Manche tragen lediglich bunte Kontaktlinsen. Andere haben sich aufwändig in Schale geworfen, so dass ihre wahre Identität nicht mehr zu erkennen ist: Am Sonntag stehlen die vielen Cosplayer den Büchern fast die Schau. Aber nur fast. Die jungen Leute, die in die Rollen ihrer Comic-Helden schlüpften, bringen Farbe in die Besucherströme, die an den beiden Publikumstagen gerade noch zu bewältigen sind. Doch im Mittelpunkt des Interesses der vielen Menschen steht wie immer das geschriebene Wort.

Rund 276.000 Menschen kamen nach vorläufigen Schätzungen in diesem Jahr. Das wären 2,2 Prozent weniger als im Vorjahr, sagte Buchmessen-Sprecherin Katja Böhne am Sonntag. An den drei Fachbesucher-Tagen seien 143.000 Besucher gekommen, auch dies entspreche einem Rückgang von 2,2 Prozent.

Brasilien stellt Rekord auf

Der Ehrengast des weltweit größten Verlagsmarkts hat bereits am Tag zuvor eine positive Bilanz gezogen: Brasilien habe erfolgreich gezeigt, dass es mehr zu bieten habe als Karneval und erstklassigen Fußball, sagte Kulturministerin Marta Suplicy. Ihr Land wolle „nicht nur seinen Hunger stillen, sondern auch seine Seele befriedigen. Und genau dieses Land ist jetzt in Frankfurt angekommen.“

Mit seinen 651 literarischen und kulturellen Events habe Brasilien einen neuen Veranstaltungsrekord aufgestellt, sagte Renato Lessa, Präsident der Stiftung der brasilianischen Nationalbibliothek. Der Startschuss war Ende August beim Museumsuferfest mit einem Konzert des Rappers Criolo gefallen. Bis ins nächste Jahr soll es weitere Angebote geben. 70 brasilianische Autoren hätten an Veranstaltungen wie Lesungen oder literarischen Debatten teilgenommen.

Eine Fundgrube für Bücherfreunde

Der brasilianische Pavillon mit seinen immensen Papierwänden ist auch am Sonntag Ziel vieler Besucher. Anders als in manchen Hallen herrscht hier jedoch am Vormittag noch kein Gedränge. Besucher entspannen sich in den Hängematten; wer Portugiesisch versteht, folgt einer Diskussion mit Autoren. Andere blättern in Büchern oder stehen an der improvisierten Kasse, um Werke zu kaufen. Am letzten Tag ist die größte Buchmesse der Welt auch die größte Buchhandlung der Welt. Und die Taschen der Besucher werden von Stunde zu Stunde voller.

Eine wahre Fundgrube für Bücherfreunde. Doch was vielen noch wichtiger ist: Nirgendwo ist die Chance so groß, sich ein Buch persönlich signieren zu lassen. „Die Autoren sind da. Das krieg’ ich nicht im Buchhandel“, sagt Steffi Krottasch.

Die Frankfurterin ist ein Fan von Fantasy, Krimis und Thrillern. Und sie hat immer Bedarf an neuen Büchern. „Zwei bis drei im Monat“ schafft sie im Schnitt. Meistens liest sie auf dem Weg zur Arbeit im Zug. Jetzt hat die 33-Jährige wieder Nachschub. In der Hand hält sie zwei Bände von Markus Heitz. „Ich habe da gestern schon reingelesen. Jetzt kaufe ich sie.“

„Viel Spaß Sophie“

Wenige hundert Meter weiter steht Familie Leuck am Stand des Eichborn-Verlags. Die beiden Söhne, 9 und 13 Jahre alt, blättern in E-Books, während die Eltern sich das Getümmel anschauen. Schuld, dass sie gekommen sind, sei ihr Jüngster, der Sebastian, sagt Vater Jürgen. „Der ist die Leseratte und wollte unbedingt auf die Buchmesse gehen.“ Er sei Fantasy-Fan, sagt Sebastian. Und freut sich schon auf neue Entdeckungen auf der Messe. Wie viele Bücher er kaufen darf, ist noch nicht geklärt, sagt der Papa. „Das müssen wir noch aushandeln.“

Andere Familien haben diese Phase schon hinter sich. „Viel Spaß Sophie“ schreibt der Autor Thomas C. Brenzina in einen Band seines Buchs „Ein Mädchen mit Ninja-Power“, legt eine Autogrammkarte dazu und sagt lächelnd: „Ich wünsche dir viel Freunde damit.“ Sophie huscht davon, während schon das nächste Mädchen vor Brenzina steht. „Ich heiße Marie.“

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