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Drogenhandel Die Welt als Drogensumpf

Mathias Bröckers erklärt, warum die Welt so gefährlich ist, wie das mit Drogen zusammenhängt und warum mit Hanf alles besser werden könnte

Werden immer mal wieder von der Polizei sichergestellt und dann stolz präsentiert: Cannabispflanzen. Foto: ddp

Mindestens zwei Wirklichkeiten gibt es: Die eine nehmen wir hin als normale, alltäglich erlittene, aber dahinter, darüber und darunter liegt eine parallele, weniger bekannte, gruselige Wirklichkeit. Von dort werden wir alle viel ferner gesteuert und fremder bestimmt, als uns recht sein kann. Mathias Bröckers ist Fachmann für dieses spezielle Gefühl des In-der-Welt-Seins, das man, je nach Temperament, paranoid, unterhaltsam oder aufklärerisch finden kann.

Sein neues Buch widmet sich der Welt der Drogen und enthält viele Wahrheiten. Der Grundgedanke zum Beispiel, dass jedes Drogenverbot (Bröckers verwendet generalisierend den Terminus „Prohibition“, der alltagssprachlich eher auf die Phase des Alkoholverbots in den USA gemünzt ist) seine Umgehung und damit ein kriminelles Milieu in Gang setzt, ist erhellend, historisch belegbar und ausweglos: Wie soll man das globale Drogenproblem je in den Griff bekommen, wenn Problemschaffung und Problemlösung so untrennbar sind!

Bröckers stapft in großen Schritten durch die Welt der globalen Zusammenhänge. Das historisch gewachsene Zusammenspiel von Drogenverbot und profitträchtigem Drogenhandel entstand als Kriegs- und Kriegsfinanzierungs-Strategie zugleich, und der illegale Drogenmarkt ist Ausgangspunkt einer Eroberung der Gesellschaft durch ihren illegalen Bodensatz. So dass man die Welt nicht mehr verstehen, geschweige denn regieren kann, wenn man nicht über die Drogenlüge Bescheid weiß: Außen-, Innen-, Gesundheits-, Ordnungs- und Militärpolitik; die Finanzkrise, Wirtschaftsverflechtungen, Börsenbooms und -zusammenbrüche, illegaler Waffenhandel, Staats- und Freischärler-Terrorismus – alles hängt mit der Drogenlüge zusammen, irgendwie sogar die Attentate vom 11. September, wie ein etwas wirrer, überdeterminierter Exkurs andeuten will.

Alles hängt mit allem zusammen

Was Bröckers’ Buch von einem Sachbuch unterscheidet, sind die Formen der Begründung und des Auffindens von Zusammenhängen. Mit landläufigen Kontaktschuld-Denkfiguren und wissendem Raunen erzeugt er ein Hintergrundleuchten, das die Welt in ein drogenversumpftes Licht taucht, in dem alles mit allem zusammenhängt.

Drogen sind, wie Bröckers mit groben Strichen nachzeichnet, ein uralter Begleiter der Menschheit seit der Entstehung ihres Bewusstseins. Die Unterscheidung zwischen legalen und illegalen Substanzen ist historisch sehr neu und überaus zweifelhaft. Am unschuldigen Anfang waren das Paradies und der bewusstseinserweiternde Apfel, das Ur-Modell des Sündenfalls ist die Apfel-Prohibition; mit allen Drogen wiederholt sich nur das alte mythische Motiv. Seit aber die USA sich im Krieg gegen die Drogen befinden, befinden sie sich folglich zugleich in einem Krieg gegen die Menschheit, gegen ihr Bewusstsein, gegen sich selbst. Das ist, bündig zugespitzt, Bröckers’ Argumentation, die folgerichtig in ein generöses „Legalize it!“ einmündet: Mohn, Hanf, Pilze müssten wieder legalisiert werden. Man würde Mafia, Terrorismus, Drogen- und Pharmaindustrie und korrupten Behörden das Geschäft verderben und das Handwerk legen. Die Welt wäre friedlicher, weil es keinen Grund mehr gäbe für einen illegalen Untergrund. Wahrscheinlicht gäbe es nicht einmal die nächste Finanzkrise. Es lebe der Hanf!

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