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Buchmesse Frankfurt Wie Literatur entsteht

Forscher aus Frankfurt lassen Autoren über die Buchmesse in Frankfurt schreiben – unter Beobachtung. Ziel ist zu erforschen, wie zeitgenössische Literatur entsteht, mit der Grundidee, dass der Autor immer anwesend ist.

Markus Huber tippt, Lena Vöcklinghaus notiert. Foto: Peter Jülich

Markus Huber sitzt auf der Buchmesse am Schreibtisch, mit Stiften, Papier, Tafel, und trinkt erstmal ein Glas Wasser mit Aspirin. Es ist zehn Uhr morgens, „superfrüh“, sagt der Mitarbeiter des Frankfurter Kulturamts, und schon muss er schreiben. Texte produzieren für eine Forschungsprojekt der Universität Frankfurt.

Das Forschungskolleg „Schreibszene Frankfurt“ hat 18 Autoren eingeladen, ihre Beobachtungen zur Buchmesse zu notieren. Deswegen auch Stifte, Papier, Tafel – und ein Rechner, in den Huber seine Eindrücke tippt. Dass Bob Dylan deshalb ein guter Literaturnobelpreisgewinner ist, weil er keine Bücher schreibt, denn davon gebe es auf der Buchmesse ohnehin zu viele.

Seine Körperhaltung, den Schreibrhythmus, das Material, die Raumsituation, das beobachten und protokollieren die Wissenschaftler der Schreibszene: Die Doktorandin Lena Vöcklinghaus schreibt über Markus Huber: „Nach Selbstaussage niedriges Energielevel („bin ganz schön fertig“), locker an den Fußgelenken übereinandergeschlagene Beine, gerader Rücken, vorgebeugt. Zwischendurch energiearmes Husten.“ Im Blog (www.schreibszene.uni-frankfurt.de) werden die Autorenstücke nebst den Beobachtungen zweiter Ordnung veröffentlicht.

Produktionsästhetik heißt die Methode, die die acht Wissenschaftler im Team von Julika Griem (Professorin für Anglistik) und Susanne Komfort-Hein (Germanistik-Professorin) anwenden. Sie untersuchen drei Jahre lang, wie zeitgenössische Literatur entsteht, mit der Grundidee, dass der Autor immer anwesend ist. Sei es auf Lesungen oder am Buchmessenschreibtisch, stets beeinflusst von der Umgebung, dem Schreibgerät, der Interaktion, den Geräuschen.

„Texte entstehen nicht aus dem Nichts“, erklärt die Literaturwissenschaftlerin Miriam Zeh. Das habe schon Friedrich Nietzsche gewusst: „Unser Schreibzeug arbeitet mit an unseren Gedanken.“

Zum Abschluss wollen die Forscher eine Abschlussreflektion veröffentlichen. Sie soll zeigen, unter welchen Produktionsbedingungen auf der Buchmesse, einem „hochgradig artifiziellen Raum“, wie Miriam Zeh sagt, Texte entstehen. „Das ist ein Beitrag zur Schreibforschung.“

Markus Huber schreibt unterdessen: „Ein freundlicher junger Mensch von der Rundschau kommt und stellt Fragen. Gute Fragen. Das bringt mich aus dem Konzept. Ok, das war ein Bluff. Von wegen Konzept.“

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