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Buchmesse Frankfurt 2012 Irmer wettert auf der Buchmesse

Am Stand der rechtslastigen "Jungen Freiheit" verbreitet CDU-Landesvize Irmer seine kruden Ansichten über den Islam. Endlich versteht ihn mal wer. Auch wenn es nur ziemlich grimmige Zeitgenossen sind.

Irmer bei der Jungen Freiheit. Foto: Nonnenmann

Am Stand der rechtslastigen "Jungen Freiheit" verbreitet CDU-Landesvize Irmer seine kruden Ansichten über den Islam. Endlich versteht ihn mal wer. Auch wenn es nur ziemlich grimmige Zeitgenossen sind.

Kommt er noch? Die grauhaarigen Männer am Stand der Jungen Freiheit schauen schon auf die Uhr, das Mädel mit dem stramm geknoteten Haar wippt mit dem Fuß.

Hat Hans-Jürgen Irmer es sich doch anders überlegt? Es gäbe Gründe für ihn, nicht zu kommen. Weil er in der hessischen CDU sowieso schon als einer vom rechten Rand gilt, einer, der von den Hetzern von "Politically Incorrect" gefeiert wird.

Doch Irmer kommt. Ruhig greift er das Mikro, versammelt die grimmig blickenden Männer um sich. Warum er denn als bildungspolitischer Sprecher der Union zurückgetreten sei, fragt der Moderator von der Jungen Freiheit. Einer der Gründe sei der geplante Islamunterricht, sagt Irmer. Das Grundproblem sei, dass die Muslime sich nicht einigen könnten, was für Inhalte da vermittelt werden sollen. Sunniten, Schiiten und so weiter, die seien alle zerstritten. 

Dann kommt die grundsätzliche Kritik. "Wenn vermittelt wird, was im Koran steht, also auch der Kampf gegen Ungläubige, dann entspricht das nicht dem Grundgesetz." Im Grunde sagt Irmer nichts anderes als: Der Koran ist verfassungswidrig. Der Moderator fragt an dieser Stelle nicht weiter nach. Sicher, sagt Irmer versöhnlicher, nicht alle Muslime seien Verfassungsfeinde, er habe selbst türkische Freunde.

Die Alten klatschen

Dann legt er aber noch einmal nach. Wenn Muslime das Sozialsystem ausnutzten, säuselt er, dann hätten sie ihr Recht verwirkt, hier zu bleiben. Von der Verfassung ist plötzlich nicht mehr die Rede, die alten  Männer klatschen.

Nach und nach kommen Irmer und sein Moderator zu einem anderen Thema: dem Wandel der CDU. "Was ist aus den konservativen Themen der CDU geworden?", fragt der Mann. Der Wehrdienst abgeschafft, die Atomkraftwerke bald weg, das Betreuungsgeld vielleicht auch. Was bleibt denn eigentlich noch übrig?

Die Partei war zu schnell

Irmer nickt. Wenigstens in der Vertriebenenpolitik sei seine Partei konservativ geblieben, sagt er. Es sei auch kein Geheimnis, sagt Irmer, dass er viele Positionen der CDU nicht mehr teile. Vielleicht ist Irmer nach rechts gerückt.  Vielleicht war es aber auch seine Partei, die sich so schnell bewegt hat, dass Irmer nicht mehr nachkommt, dass er sich fühlen muss wie ein Fleischesser unter Veganern. Inzwischen hat er wohl genauso viele Überschneidungspunkte mit den Republikanern wie mit "seiner" Partei. "Man darf ja nicht mal mehr von Ehre und Nation sprechen."

Nach der kuscheligen Diskussion bildet sich ein Kreis. Viele haben noch Fragen, Irmer antwortet leise. Ein paar Worte dringen durch, "die Sozis", "die Frankfurter Rundschau", "die Moslems"... Man versteht sich. Er sei nicht mit allen Artikeln in der rechten "Jungen Freiheit" einverstanden, sagt Irmer, "aber es ist gut, dass es sie gibt".  Er sagt es nicht, aber er wirkt so, als fühle er sich Zuhause. 

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