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Buchhändlerin Plaudern und Laufen

Unterwegs auf der Buchmesse mit der Frankfurter Buchhändlerin Maria Lucia Klöcker.

Maria Lucia Klöcker von der Buchhandlung Weltenleser ist nicht verwandt mit Donna Leon. Sie ist da, um neue Verlage zu entdecken. Foto: Peter Jülich

Maria Lucia Klöcker hat den großen Regenschirm in der Armlehne eingehakt. Für den Draußen-Regen. Auf der Frankfurter Messe ist die einzige Nässe, vor der man sich schützen muss, der eigene Schweiß. Denn es ist superwarm. Vor allem, wenn man so schnell durch die Hallen und Gänge läuft wie die 62-jährige Buchhändlerin.

„Als Erstes gehen wir zum Weidle Verlag. Denn am Samstag liest die neuseeländische Autorin Fiona Kidman bei uns in der Buchhandlung, und ich will fragen, ob ich die Bücher heute gleich mitnehme oder der Verlag sie mitbringt“, sagt sie. Ansonsten sucht Klöcker die unbekannten, die ganz besonderen Verlage. Sie hat eine handgeschriebene Liste, aber lässt sich auch gerne treiben, wenn ihr ein kleiner Verlag gefällt. „Das sind Verlage, bei denen man anruft und der Verleger seine Buddelarbeit im Garten unterbricht.“

Späte Traumerfüllung

Erst spät im Leben hat die studierte Juristin, die sich aber für die Familie und gegen die Karriere entschieden hatte, ihren Traum von einer Buchhandlung erfüllt. Seit 2012 betreibt sie zusammen mit Almut Kläs den hübschen Buchladen „Weltenleser“ am Oeder Weg in Frankfurt. „Wir bieten Literatur aus der ganzen Welt.“ Und so seien die Bücher bei ihnen nicht nach Autoren, sondern nach Kontinenten und Ländern sortiert. „Also nicht danach, wo der Autor herkommt, sondern in welchem Land, die Geschichte spielt.“

An diesem Donnerstagmorgen ist es ihr drittes Mal auf der Frankfurter Buchmesse als Buchhändlerin. Sie trägt ein schickes rosa Halstuch und flache Schuhe. „Beim ersten Mal hatte ich so superhohe Schuhe an, weil ich dachte, das sei schick. Den Fehler mache ich nie wieder: Meine Füße waren angeschwollen, und dann war auch noch abends mein Auto abgeschleppt.“ Sie lacht.

Mit 17 Jahren kam die gebürtige Rumänin nach Deutschland. An ihr erstes Buch erinnert sie sich noch ganz genau: „Max und Moritz“. Auf dem Weg durch die Gänge gibt sie noch ein Buch des niederländischen Autors Otto de Kat bei dessen Verlag Schöffling ab. „Er hat gestern bei uns gelesen und dabei sein Buch mit seinen Notizen vergessen. Die wird er bestimmt noch brauchen“, sagt Klöcker. Zwischendurch gratuliert sie noch auf dem Weg herzlich Joachim Unseld von der Frankfurter Verlagsanstalt, weil sein Autor Bodo Kirchhoff gerade den Deutschen Buchpreis gewonnen hat.Und geht dann schneller. Die Interviews auf dem Blauen Sofa mit der bekannten TV-Journalistin Christine Westermann ignoriert sie. „Ich muss später ja noch in die Buchhandlung. All meine Zeit will ich nutzen, um Bücher zu entdecken.“

So sucht sie einen Verleger, der englischsprachige Bücher direkt von England nach Deutschland verschickt. Da hat Lucia Klöcker zunächst kein Glück. Aber ein Herr, der eine Buchhandlung in Eckenheim hat, plaudert mit ihr – ganz viel Smalltalk gehört dazu – und sagt ihr, dass er ihren Laden toll findet und führt sie zu dem schottischen Verlag „Waverly“. „Die haben ganz tolle Notizbücher.“

Das sind nicht irgendwelche Notizbücher, sondern solche mit Tartan-Umschlägen. So nennt man das typische Karomuster, das auch bei Schottenröcken verwendet wird. „Der Stoff kommt von der Fabrik, die auch die Kilts, also die Schottenröcke für Prinz Charles oder den Schal von Herzogin Kate macht“, erzählt der Herr am Stand. „Prinz Charles hat sogar ein nach ihm benanntes Muster. Wir hatten auch überlegt, dieses auf die Notizbücher zu machen. Aber haben uns am Ende dagegen entschieden. Das würde ihm nicht so gefallen“, lacht der Herr von „Waverly“.

Suche nach englischen Kinderbüchern

Schließlich findet Klöcker bei dem Verlag auch englische Literatur. „Ich suche Bücher für achtjährige Kinder, die hier in Frankfurt leben, aber englische Muttersprachler sind. Ich hatte da schon Anfragen bei uns.“ Die Buchhändlerin ist ganz begeistert, dass es hier „Robinson Crusoe“ oder „Little Women“ in einer kinderfreundlichen, gekürzten Version gibt. Sie notiert alles: Preise und Standnummer. „Morgen komme ich wieder.“

Dann rennt sie noch mal durch die Gänge. „Ich suche noch Kinderbücher. Aber bitte nicht die kitschigen.“ Ihr letzter Halt an diesem Vormittag ist bei E12. „Ein toller kleiner, deutscher Verlag namens Officina Ludi. Die haben sehr schöne Drucke.“ Und tatsächlich zeigt ihr Verlagsbesitzer Claus Lorenzen ein „rundum goldenes Buch“, von namhaften Illustratoren liebevoll gestaltet, mit Texten aus der Weltliteratur zum Thema Gold: Von der Anbetung des Goldenen Kalbs in der Bibel bis zu Tucholskys „Meine beiden letzten Goldstücke“. Klöcker schaut es sich an: „Muss ich da mein Häuschen verkaufen?“, fragt sie und lacht. Müsste sie zwar nicht. Aber dann entscheidet sie sich doch für ein hübsch illustriertes Buch von Thomas Manns „Mario und der Zauberer.“

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